#045 - Muttersprache Musik (3): Das Denk- und Kommunikationsvokabular
Shownotes
Wie wird aus Nachahmen eigenständiges musikalisches Handeln?
In der dritten Folge meiner Reihe „Muttersprache Musik“ geht es um die nächste Stufe der Lernpyramide der Music Learning Theory nach Edwin E. Gordon: das Denk- und Kommunikationsvokabular.
Du erfährst in dieser Folge,
- wann aus musikalischem Wiedergeben zunehmend eigenständiges musikalisches Denken wird,
- was Gordon unter unterscheidendem und schlussfolgerndem Lernen versteht,
- warum Improvisation ein wichtiger Teil musikalischer Entwicklung ist,
- wie Struktur und Freiheit beim Improvisieren zusammenspielen,
- und mit welchen einfachen rhythmischen und tonalen Impulsen du eigenständiges musikalisches Handeln in deiner Chorprobe anregen kannst.
Das Ziel: Kinder sollen Musik nicht nur hören und wiedergeben, sondern musikalische Zusammenhänge zunehmend selbstständig erfassen, eigene musikalische Entscheidungen treffen und mit anderen musikalisch kommunizieren.
Noch nicht gehört? Starte am besten mit Folge 1 und 2 der Reihe „Muttersprache Musik“ – vom Hörvokabular über das Sing- und Musiziervokabular bis zum Denk- und Kommunikationsvokabular bauen die einzelnen Schritte aufeinander auf.
SHOWNOTES:
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Kooperationspartner: Sing-Akademie zu Berlin
Musik: Oli Bott
Dieser Podcast wurde realisiert mit Unterstützung der Stiftung am Grunewald
Transkript anzeigen
00:00:15: Herzlich willkommen zum Podcast Resonanz Junge Stimmen.
00:00:18: Inspiriert Kinder und Jugendkörer leiten!
00:00:21: Mein Name ist Gudrun Gierschall, ich bin Musikerin, Kinder- und Jugendkoleiterin und Mitarbeiterin beim Staats- und Domkorps an der Universität der Künste Berlin und ich begleite Koaliterinnen und Korleiter vom Methodenstress zu musikalischer Intelligenz, audiationsbasiert, bewegungszentriert und beziehungsstark.
00:00:39: Raus aus dem Alltagsstruck hinein in ein System das dich trägt.
00:00:43: Innere Ordnung, klare Schritte mehr Musik.
00:00:47: So wird dein Chor zum Resonanzraum für Wachstum, für deine Sängerin und für dich selbst!
00:01:05: Dies ist jetzt die dritte Folge von meiner kleinen Reihe Muttersprache-Musik in der ich zentrale Gedanken der Music Learning Theory von Edwin Gordon aufgreife und dabei immer wieder die Frage stelle was können wir eigentlich vom Spracherwerb lernen wenn wir musikalisches Lernen besser verstehen wollen?
00:01:23: Und in der ersten Folge ging es ja um das Hörvokabular und in der zweiten um das Sing- und Musikiervokabilar.
00:01:30: Heute gehen wir jetzt einen Schritt weiter und beschäftigen uns mit dem Denk- und Kommunikationsvokabulär, also das heißt mit der Frage was passiert wenn Kinder musikalische Inhalte nicht mehr nur hören und wiedergeben sondern beginnen selbstständig musikalisch zu denken, also in Musik zu denken eigene musikalischen Inhalter abzuleiten und mit anderen musikalisch zu kommunizieren.
00:01:57: Falls du die ersten beiden Folgen noch nicht gehört hast, dann würde ich dir empfehlen dass du erstmal dort anfängst denn die drei folgen bauen aufeinander auf und dann verstehst du besser was ich heute bespreche.
00:02:08: Jetzt geht es aber erst mal hier los!
00:02:09: Mit der dritten Folge Muttersprache Musik.
00:02:11: Ich wünsche dir ganz viel Spaß Und jetzt geht's los.
00:02:27: Also wir haben ja in den ersten beiden folgen relativ intensiv über den Aufbau eines Hör und singen, musizieren, Vokabulas gesprochen.
00:02:36: Ein musikalischer Wortschatz allein macht aber ja noch keine eigenständige musikalische Sprachfähigkeit aus.
00:02:44: also wenn wir wieder an Sprache denken auch sprachlich reicht es nicht dass wir tausende Wörter nachsprechen können.
00:02:49: entscheidend ist ja irgendwann das sich diese Wörtern selbstständig verwenden kann.
00:02:53: Also dass ich ein Gedanken formulieren kann den mir vorher niemand eins zu eins vorgesprochen hat.
00:03:01: Ich kann dann auch etwas verstehen in der Sprache, die ich gelernt habe.
00:03:06: Was ich genau in dieser Form noch nie vorher gehört habe.
00:03:09: Ich kann mir also aufgrund meiner Sprachfähigkeit eigene Bedeutung erschließen von gesprochener Sprache und ich kann mich in dieser Sprache mit anderen Menschen unterhalten.
00:03:22: Und genau an diesem Punkt kommen wir jetzt wenn wir im musikalischen Sinne über das Denk- und Kommunikationsvokabular sprechen.
00:03:31: Also ein musikalischer Wortschatz wird dann zum Denk- und Kommunikationsvokabular, wenn Kinder musikalische Bausteine oder Lieder wie auch immer nicht nur wiedergeben sondern zunehmend selbstständig damit umgehen und daraus eigene musikalischen Inhalte ableiten können.
00:03:50: Und da ich versuche nochmal diesen Begriff ein bisschen besser zu greifen oder zu erklären.
00:03:57: Also Denkvokabular meint, die Fähigkeit musikalischer Zusammenhänge zunehmend selbstständig zu audieren und daraus weitere musikalische Inhalte abzuleiten.
00:04:09: Und das kann auch schon total bei Saal beginnen.
00:04:10: Das klingt jetzt kompliziert aber ich versuche es nochmal ein bisschen klarer zu machen was das meint.
00:04:14: also zum Beispiel höhere ein Lied und Ich kann selbständig sein Grundpuls audieren also empfinden mich dazu bewegen den Spüren.
00:04:24: Ich kann Makro und Mikrobietz von dieser Melodie, von dieser Musik innerlich für mich organisieren.
00:04:32: Ich kann ein Metrum erkennen ohne dass mir jetzt jemand sagt was das für ein Metrom ist oder ich kann Musik in einen tonalen Zusammenhang bringen indem ich zum Beispiel den Grundhorn audiieren kann oder je nach Entwicklungsstand auch vielleicht schon tonale Funktionen und harmonische Verläufe.
00:04:48: aber das ist ja schon wieder eher komplex.
00:04:53: Wichtig ist auch, dass wir es noch nicht spezifisch benennen können müssen um zu sagen das wir schon eine bestimmte Fähigkeit des Denkvokabulars erworben haben.
00:05:02: Also wir müssen doch gar nicht mal unbedingt wissen d.h Grundwohnen.
00:05:06: jetzt möchte ich einmal im folgenden über zwei Begriffe sprechen die in der Music Learning Theory entscheiden sind dir aber natürlich verwurzelt sind in der allgemeinen Lernforschung.
00:05:18: Und zwar sind das zwei unterschiedliche Lernprinzipien, das unterscheidende Lernen und das schlussfolgende Lern.
00:05:24: Das Discrimination Learning und das Influence Learning.
00:05:29: Gordon unterscheidet in seiner Fertigkeiten-Lernsequenz immer wieder diese zwei verschiedenen Lernformen des Lernens.
00:05:37: Um jetzt Denk- und Kommunikationsvokabular wirklich verstehen zu können ist die Unterscheidung dieser zwei Lernprinzipien total wichtig.
00:05:45: Deswegen gehe ich da jetzt einmal kurz darauf ein.
00:05:47: Also im unterscheidenden Lernen steht zunächst der Input im Mittelpunkt.
00:05:52: Das Kind hört etwas und lernt zu unterscheiden, gleich oder verschieden, du-oder-mol-, Tonika-dominante, zweier, dreiehmetrum – was auch immer!
00:06:01: Und das geschieht alles über Vormachen nachmachen, vergleichend wiederholen.
00:06:06: D.h.,
00:06:07: die Lehrpersonen gibt sowohl den Weg als auch die musikalischen Inhalte vor Und beim Schlussvergrenzenden Lernen wiederum verändert sich etwas in dieser Rollenverteilung.
00:06:19: Im unterscheidenen Lernen hat die Lehrperson sowohl den Lernweg als auch die musikalischen Inhalte vorgegeben, im Schluss vergangene Lernen gibt sie nur noch den Rahmen vor innerhalb dessen die Kinder zunehmend selbstständig mit vertrauten und unvertrauten musikalischem Inhalten umgehen und daraus eigene musikalische Inhalter ableiten.
00:06:41: Wenn ich so sage... Ich finde es klingt total kompliziert.
00:06:44: Ich versuche es wieder praktisch zu machen, damit's irgendwie für dich so verständlich wird.
00:06:48: Was ist meint?
00:06:49: Wenn ich ein Pattern vorsinne und das Kind sinkt genau dieses Pattern nach oder eine Phrase vorsinnt, das Kind singt genau diese Phrasen nach, bestimme ich den musikalischen Inhalt.
00:06:59: Wenn ich dagegen einen Dur-Kontext etabliere und sage jetzt erfinde ein eigenes Tonica-Pattern dann gebe ich zwar weiterhin einen Rahmen vor aber ich weiß vorher nicht was das Kind genau singe wird.
00:07:12: Ich kann diese Antwort nicht über Vormachen und Nachmachen beibringen, sondern das Kind muss eben Schlussfolgendes Lernen aktivieren auf Grundlage der bereits erworbenen Erfahrungen die es musikalisch getan hat.
00:07:26: Und genau das ist eben entscheidend!
00:07:28: In dem Moment ist ja klar indem ich eine Improvisation vormache und des Kindes nachmachen soll, ist es ja schon keine Improvisation mehr.
00:07:36: Das heißt dann sind wir wieder im unterscheidenen Lernen.
00:07:39: Wichtig ist nicht dass eine lernen besser als das andere, sondern sie bedingen einander.
00:07:45: Also dass unterscheidene Lernenschaft überhaupt erst die Voraussetzung dafür, dass Schlussfolger des Lernen möglich wird.
00:07:51: Wenn wir noch keinen musikalischen Wortschatz aufgebaut haben und es das Kind keine musikalische Erfahrungen erworben hat, hat es auch sehr wenig Material mit dem es selbstständig musikalisch umgehen, denken, kommunizieren
00:08:02: kann.".
00:08:14: Und jetzt kommt noch ein Begriff der in der MLT wichtig ist... und der mit dem unterscheidenden und dem schlussfolgenden Lern zusammenhängt.
00:08:22: Und zwar sind es die Bridging Movements, nennt das Gordon, also die überbrückende Lernbewegungen zwischen diesen beiden verschiedenen Lernarten.
00:08:30: Also wir dürfen uns diese beiden Bereiche nicht als zwei große getrennte Blöcke vorstellen.
00:08:35: Erst lernen wir jahrelang im unterscheidenen Lern und dann dürfen wir irgendwann zum Schluss folgenden Lernen kommen sondern wichtig ist dass wir durchlässig sehen diese zwei Lernform Und das heißt, sie folgen nicht nacheinander sondern sie greifen immer wieder ineinander.
00:08:54: Das sind eben die sogenannten Bridging Movements und wir prüfen dann immer wieder was Kinder bereits selbstständig ableiten können.
00:09:00: wenn wir merken oh das klappt hier noch nicht!
00:09:02: Dann kehren wir einfach zurück und stärken nochmal die Inhalte im unterscheidenden Lernen in den angeleiteten Lernformen.
00:09:13: Ich finde es super hilfreich für die Praxis weil es immer wieder zeigt Wenn so Überforderungsmomente sind, wo ich dann denke hey wieso können die das jetzt nicht?
00:09:20: Aha nochmal einen Schritt zurück ins unterscheidende Lernen oder noch mal ein Schritt zurück in den Lernstufen.
00:09:27: Und der langweilt sich total.
00:09:29: ja dann gibt ihm doch ein bisschen Futter und gibt diesem Kind einfach nur meine Aufgabe mehr aus dem Schluss folgenden Lernen.
00:09:35: und dann ist es wieder voll am Bord weil es irgendwie gefordert ist.
00:09:37: also dass auch eine ganz tolle Möglichkeit um wirklich so virtuos bin zu differenzieren kann sehr im Flow passieren, ohne dass das sehr viel Aufhebens darum gemacht werden muss.
00:09:51: Und es heißt ich kann immer wieder so kleine Fenster öffnen und schauen ah was ist denn jetzt hier schon möglich?
00:09:57: Und vielleicht kann ein Kind ein rhythmisches Pattern sicher immitieren und dann kann ich gucken ja kann es vielleicht ein anderes Pattern im selben metrischen Kontext schon erfinden.
00:10:06: Wenn das gelingt, kann nicht diesen Raum eben erweitern!
00:10:20: Jetzt möchte ich noch einen Gedanken mitgeben weil es da manchmal Missverständnisse gibt.
00:10:26: Ich glaube, es ist ganz wichtig zu verstehen für dieses Denk- und Kommunikationsvokabular für das Thema Improvisation die Intuition führt.
00:10:33: Und dass theoretische Wissen folgt.
00:10:37: also wir dürfen nicht nur improvisieren was wir schon theoretisch total verstehen welche Tonalität welches Metrum welche harmonische Folge Welche Skala welche metrische Struktur.
00:10:47: Sondern wir dürfen aus der intuition erst mal improvisieren und das dann immer mehr füttern mit dem musikalischen Tieferen verstehen.
00:10:57: Das bedeutet jetzt nicht, dass musikalische Intuition einfach etwas Angeborenes ist, das entweder vorhanden ist oder nicht sondern unsere musikalische Intuition entwickelt und differenziert sich ja durch die musikalisch Erfahrung also durch unser Hörvokabular, unser Musikier- und Singvokabular, durch die musicalischen Aktivitäten, die wir angeboten kriegen im Rahmen unserer tollen musikalischer Bildungsangebote, die du auch in deinem Kontext bestimmt bereitstellst.
00:11:23: Und daraus entwickelt sich eine musikalische Intuition, die wir dann quasi anzapfen können in diesen Momenten wo wir Denk- und Kommunikationsvokabular versuchen zu entwickeln und dafür einen Raum zu geben.
00:11:38: Also die Kinder können ihrer musikalischen Intuition folgen und diese Intuition wird durch die vorausgegangenen Lernerfahrung immer differenzierter und das theoretische Benennen und Bewusste einordnen kann folgen bzw.
00:11:51: kann parallel in einem anderen Moment der Probe weiter gefördert, gefüttert aufgebaut werden und dadurch wird es eben immer bedeutungsvoller oder zielgerichteter oder kontextgebundener Ausdrucksstärker wie auch immer was wir in unserem Denk- und Kommunikationsvokabular ausdrücken können.
00:12:18: Und jetzt fragst du dich vielleicht, wie kann das jetzt konkret praktisch aussehen?
00:12:21: Ich versuche jetzt auch so gut es geht im Podcast ein paar praktische Beispiele zu geben.
00:12:27: Also der Einstieg in Improvisationen und in Denk- und Kommunikationsvokabular aufbauen kann sehr unterschiedlich aussehen.
00:12:35: Entscheidend ist hier ganz wichtig – es gibt nicht eine feste Reihenfolge.
00:12:38: Du musst erst das machen, dann musst du das machen!
00:12:42: Das ist die Vorbereitung für das.
00:12:43: Es ist also nicht so pyramidenartig diese Lernpyramide, die ich vorgestellt habe.
00:12:50: Sondern wenn wir im Schluss folgenden Lernen sind, sind es quasi Möglichkeiten und wir gucken immer was ist jetzt möglich mit diesem Kind?
00:13:02: Mit dieser Gruppe?
00:13:05: Und wir öffnen immer wieder so Fenster und gucken wie weit können sie da schon rausfliegen?
00:13:10: Das heißt Wir haben keine feste Reihenfolge sondern wir passen die Aufgaben an den Entwicklungsstand der Kinder an und ermöglichen eigenständiges musikalisches Handeln.
00:13:20: Und ich gebe dir jetzt ein paar konkrete Beispiele aus meiner Arbeit, also ein ganz basales einfaches Spiel das ins Schluss von der Lern gehört – jetzt noch nicht in die Improvisation gehört sondern im Bereich Generalisieren aber eine sehr gute Vorbereitung ist oder ein gutes Spiel ist um irgendwie so'n bisschen zu verdeutlichen was bedeutet es etwas anderes zu machen?
00:13:41: Also für das anschließende Improvisionsspiel gleich oder verschieden, oder ich nenne es auch gleich- oder nicht gleich.
00:13:52: Weil für jüngere Kinder ist das Wort verschieden manchmal nicht verständlich.
00:13:55: was heißt denn verschieden?
00:13:57: Während wenn ich sage Ist es gleich oder ist es nicht gleich ist für jungen Kinder besser zu verstehen.
00:14:03: und zwar etabliere ich zunächst einen klaren rhythmischen oder tonalen Kontext und gebe anschließend zwei Pattern vor Und die Kinder zeigen mir mit einer Geste, mit einer Handgäste ob beide Pattern gleich waren oder ob sie verschieden waren also nicht gleich.
00:14:19: Und meine Geste, die in Amerika in meinen Kursen, die ich gemacht habe zu MLT.
00:14:23: Da wurde diese Geste immer verwendet und ich fand sie irgendwie sehr sinnbildlich einfach für Kinder zu verstehen, spielerisch.
00:14:29: Deswegen nutze ich die auch.
00:14:31: also wenn es heißt dass die beiden Pettern waren gleich dann zeigen die Kinder zwei Fäuste und wenn die Petter nicht gleich waren dann macht ihr eine Hand nach Faust und die andere öffnet die hand quasi das die geöffnete Handfläche zu mir schaut.
00:14:48: Diese Aufgabe kann ich sehr leicht und auch sehr anspruchsvoll gestalten.
00:14:52: Also, ich mache ein Beispiel wenn ich jetzt zwei rhythmische Pattern habe, Pattern Nummer eins heißt... Zweitens Pattern heißt... Dann haben wahrscheinlich alle gemerkt dass das nicht gleich war weil die doch auffällig unterschiedlich waren.
00:15:11: Wenn ich es ein bisschen schwieriger mache dann erkennt's vielleicht schon nicht mehr jedes Kind.
00:15:15: also Beispiel Rhythmus Nummer eins heißt.
00:15:21: Zweites Pattern ist jetzt schon nicht mehr so leicht und so kann man ein bisschen gucken, wie weit ist die Gruppe schon oder wie weit sind die einzelnen Kinder?
00:15:35: Und diese Übung ist auch eine Aufgabe des Schlussfolgenden Lernens denn sie müssen selbstständig vergleichen und entscheiden.
00:15:43: das nächste Spiel dass sehr gut sich anschließen kann Quasi ich mache selbst etwas, was nicht dasselbe ist.
00:15:56: Also das heißt es ist eine sehr unkomplizierte erste Improvisationform.
00:16:00: Ich spreche jetzt zum Beispiel ein Rhythmus vor und die Aufgabe lautet jetzt mach'nicht dasselben.
00:16:07: Und das zeige ich mit den Händen quasi Jetzt macht ihr dasselbig, jetzt macht ihr nicht dassselbe durch dieses Zeichen, was sie etabliert haben.
00:16:14: und wenn ich eben die Geste mache zu jetzt mache etwas was nicht Dasselbe isst Dann sollen die Kinder sich eben selber etwas ausdenken, innerhalb dieses Kontextes.
00:16:28: Das heißt es hat auch vier Makropulse.
00:16:30: wir sind im zweier Metrum und wir improvisieren mit der Silbebar.
00:16:33: Je mehr du schon mit Pattern gearbeitet hast, desto selbstverständlicher werden die Kinder den richtigen Parameter improvisieren.
00:16:43: Wenn du das erste Mal machst dann wird wahrscheinlich mindestens ein Kind Folgendes machen Ba ba ba ba, Aufgabe.
00:16:52: Die Kinder sollen was anderes machen und dann machen sie ... Sie haben also den selben Rhythmus gemacht aber irgendwelche Fantasie Quatschselmen draufgelegt oder sie machen ... Also haben weder Metrum noch diese vier Makropose gefühlt.
00:17:13: Das heißt da ist das Schluss von der Lehre noch zu früh weil sie nicht den Kontext genug ... verinnerlicht haben.
00:17:22: Und dieses Spiel geht sehr gut im Tutti, dass man quasi erst mal sicheren Rahmenschaft... ich mache ein Pattern vor.
00:17:28: die Gruppe imitiert das Pattern.
00:17:30: Man kann es auch toll mit einer Audiationspause machen.
00:17:32: Ich mache einen Pattern Vor Sie audieren ihr eigenes und dann sprechen sie es erst gemeinsam jeder sein eigenes.
00:17:38: Da haben wir eine kleine Gruppe.
00:17:40: Improvisation und wichtig ist Eine Pause ist auch eine Improvisation.
00:17:43: Also wenn ein Kind sich nicht sicher fühlt Kann er's einfach für Makrop-Beats Pause machen Und natürlich können wir das später solistisch machen.
00:17:55: Das Kind kann immer selber entscheiden, möchte ich dasselbe machen wie das was vorgemacht wurde?
00:17:59: oder denke ich mir ein eigenes aus?
00:18:01: und die anderen Kinder können raten mit den Händen zeigen, was hat denn das Kind gemacht?
00:18:05: War es dasselb war das nicht dasselben?
00:18:07: Ein anderes Kind kann meine Rolle übernehmen.
00:18:09: also damit kann man total viel spielen und ist ja einfach wirklich ein musikalisches Spiel was sie sehr einfach gelingt.
00:18:19: Eine zweite Möglichkeit, die viel freier ist.
00:18:22: Ist ein rhythmisches Gespräch.
00:18:23: Ich bleibe jetzt kurz im Rhythmischen weil es noch ein Tick leichter ist gerade als Einstieg.
00:18:28: Da öffnen wir den Rahmen einfach noch weiter und das kann gerade mit jüngeren Kindern super lustig und sehr spielerisch und intuitiv funktionieren vielleicht sogar besser als dieses Patternspiel.
00:18:40: Bei anderen Gruppen ist es andersrum.
00:18:41: also da kannst du ausprobieren deine Intuition folgen was für deine Gruppe vielleicht besser klappt.
00:18:47: Aber da geht es eben nicht darum, einzelne Pattern hin und her zu spielen sondern wir entwickeln ein kleines rhythmisches Gespräch.
00:18:54: Und wir unterhalten uns einfach in Rhythmen!
00:18:57: Das macht besonders deutlich warum wir auch von Kommunikationsvokabular sprechen.
00:19:02: also ich kann dann mit Mime, Körpersprache, Dynamikpausen usw.
00:19:05: arbeiten Frasierungen und zum Beispiel sage ich vielleicht nehme mein Dreiametrum zur Abwechslung Und der nächste antwortet.
00:19:32: Und natürlich werden Kinder jetzt nicht sofort vielleicht perfekt im Metrum bleiben und die Phrasenlängen aneinander anpassen, aber da würde ich auch erstmal in die Exploration gehen und immer mehr diese Intuition aufbauen, indem wir das immer wieder machen.
00:19:52: Für den tonalen Bereich kann man natürlich ähnlich arbeiten.
00:19:56: Ich kann einen bestimmten Kontext, einen tonalen Kontext etablieren ich improvisiere eine kleine Phrase und das Kind entwickelt eine Phrasie die in diesem tonalen Zusammenhang passt.
00:20:07: also zum Beispiel Und das nächste Kind sagt dann Die Nächste So und da kann man natürlich ein bisschen Beispiele geben.
00:20:29: Und dann gibt es vielleicht ein Kind, was da schon irgendwie so eine schöne Melodie improvisieren kann.
00:20:33: das würde ich auch nicht rei umgeben dass alle etwas machen müssen.
00:20:35: Ich würde ein bisschen gucken wer hat da schon Lust dazu?
00:20:38: Und dann einfach ein bisschen Gucken was kommt und Nicht gleich aufgeben wenn's nicht gleich super klappt.
00:20:42: Einfach immer mal wieder probieren Das ist zwei Minuten Aktivität und dann weiter zum nächsten und mit der Zeit wächst da immer mehr.
00:20:52: Und wenn die Gruppe schon weiter ist, auch in der Lernsequenz zum Beispiel und schon Tonalitäten, Funktionen usw.
00:20:58: gelernt hat dann kann man natürlich sagen alle improvisieren Antonika-Pettern, alle improvisierenden Dominant-Pettern aufzeichnen.
00:21:06: Alle improvisieren machen eine rhythmische Improvisation auf der Basslinie
00:21:11: usw.,
00:21:11: aber das ist dann ja schon wieder komplexer und erwartet mehr.
00:21:15: schon musikalisches Bewusstes einordnen und ich will ein bisschen zeigen dass wir schon mit wenig theoretischem Verstehen sehr viel Kommunikationsfähigkeit fördern können.
00:21:28: Auch eine Möglichkeit für Tonales improvisieren kann sein, dass man am Klavier vielleicht ein kleines Ostinato spielt, eine ganz einfache Harmoniefolge und dann einfach den Raum öffnet.
00:21:38: Dann gibt es so einen kleinen Teppich – damit habe ich auch ganz gute Erfahrungen gemacht -, das erstmal so'n Rahmen da ist der sie ein bisschen hält und trägt und dann können Sie gucken ob sie da ein bisschen rumprobieren welche Töne passen dazu und so ne kleine Phrase improvisieren den Ball quasi weitergeben und der Nächste was probiert.
00:21:57: Und auch gerne wechseln, zum Beispiel ein Kind macht etwas ich mache was dann macht wieder anderes kind Dann hat die immer wieder auch einen Vorbild.
00:22:03: wie kann es denn klingen?
00:22:06: So oder ein Kind was gut ist übernimmt immer diese Rolle und inspiriert dadurch die anderen.
00:22:12: Auch hier dieses Spiel zeigt eben diesen Gedanken die Intuition führt und das theoretische Wissen folgt.
00:22:29: Jetzt ist mir an dieser Stelle noch eine Differenzierung wichtig.
00:22:34: improvisieren heißt jetzt nicht, mach einfach nur irgendwas.
00:22:37: Bei Gordon wird Improvisation vor allem innerhalb klarer tonaler und rhythmischer Kontexte systematisiert und da sind in der Lernsequenz eben immer wieder diese Parameter vorgegeben.
00:22:51: oder wir bewegen uns in diesen Parametern Tonalität, Metrum, tonale Funktionen, harmonischer Verlauf, rhythmische Funktion.
00:22:58: Und der konkrete musikalische Inhalt entsteht innerhalb dieses Rahmens beim Lernen dann selbst.
00:23:03: Und Gordon unterscheidet auch gerne zwischen Creativity und Improvisation.
00:23:08: Also er sagt, bei der Improvisation bestehen stärkere musikatische Vorgaben während bei der Creativity – bei der Kreativität wenn wir uns nur sagen so die Kinder sind so kreativ und dann hauen sie einfach auf irgendwelchen elementaren Instrumenten rum.
00:23:23: aber wenn es quasi gar keine Struktur gibt ist das auch ein bisschen beliebig.
00:23:27: eben Darin steckt so ein wichtiger Gedanke.
00:23:32: Freiheit und Struktur sind beim Improvisieren keine Gegensätze, sondern irgendwie gehören sie auch zusammen.
00:23:37: Ein Rahmen kann überhaupt erst ermöglichen dass eine musikalische Entscheidung als solche erfahrbar wird und nicht einfach nur beliebig ist.
00:23:48: Und gleichzeitig wissen wir auch wenn es heißt so improvisier einfach.
00:23:51: irgendwas kann manchmal diese Offenheit auch überfordern sein oder auch einfach noch mehr ins Richtung Chaos.
00:23:57: sich bewegen jetzt somit Kindergruppen Und wenn wir dagegen sagen, wir bleiben in zweier Metrum.
00:24:02: Unsere Phrase hat diese Länge aber den Rhythmus entscheidest du ist der Raum überschaubar und trotzdem entsteht etwas Eigenes.
00:24:11: Und trotzdem ist mir eine Sache super wichtig.
00:24:14: Ich persönlich würde dem Begriff überhaupt des musikalischen Wortschatzes das Denk- und Kommunikationsvokabular weiterfassen.
00:24:22: Die Music Learning Theory ist ja besonders stark und differenziert darin tonale und rhythmische Lernprozesse zu strukturieren Und das ist eben die große Stärke dieses Modells.
00:24:31: Aber ich bin überzeugend, musikalische Sprache besteht natürlich nicht ausschließlich aus tonal- und metrisch gebundenen Strukturen sondern wir können natürlich ebenso mit Geräuschen, mit Körperklängen, mit freien Tonräumen improvisieren Musik machen musikalisch sinnvolle Kontexte erschaffen und dabei stehen dann eben andere musikalischer Parameter im Mittelpunkt.
00:24:56: Also was passiert zum Beispiel, wenn wir nur über Dynamik kommunizieren?
00:24:59: Wenn wir bewusst mit der Länge von Pausen oder Phrasens spielen.
00:25:03: Wenn wir freitonal improvisieren aber jede Phrase hat vielleicht immer die gleiche Länge Oder wenn wir ausschließlich Klangfarben verändern oder wie auch immer.
00:25:12: und das alles erweitert natürlich auch unser musikalisches Denk- und Kommunikationsvokabular.
00:25:17: Denn Auch bei freier Improvisation stellt sich ja die Frage Welche musikalischen Beziehungen entstehen.
00:25:24: also was wird wiederholt Was wird verändert?
00:25:27: Wo entstehen Kontraste, wie reagieren die Beteiligten aufeinander.
00:25:31: Und das sind dann andere Strukturprinzipien als Tonika Dominante zwei oder drei Meter rum.
00:25:38: aber auch sie ermöglichen dass aus einzelnen Klängen ein musikalischer Zusammenhang und aus einzelne Äußerungen eine musikalische Kommunikation und musikalischen Ausdruck entsteht.
00:25:50: Und für mich ergänzt das Gordon sehr systematisch ausgearbeitete tonal- und drittbischen Lernwege um einen so den größeren musikalischen Horizont, den ich auch sehr wertvoll finde.
00:26:14: Also wenn wir die Lernpyramide jetzt noch einmal anschauen wird die Abfolge glaube ich schon ziemlich deutlich inzwischen.
00:26:19: zuerst entsteht ein Hörvokabular dann ein singen Musikiervokabilar und auf dieser Grundlage können Kinder zunehmend musikalisch denken und kommunizieren Und erst danach kommen wir in diese Reihe zum Lesen und Schreiben.
00:26:33: Es ist klar, dass alles auch immer parallel noch weiter stattfindet.
00:26:36: Also wir hören ja nicht auf unser Hörvokabular zu erweitern sobald wir anfangen zu singen und wir hören auch nicht auf unsere Denk- und Kommunikationsvokabilität zu erweitern in dem Moment wo wir lesen und schreiben.
00:26:49: aber dennoch sind es die Grundkompetenzen die so in dieser Form eigentlich natürlich erwachsen das eine aus dem anderen Und es entwickelt eine unglaubliche Kraft, wenn wir diese natürlichen Prozesse mitdenken und mitbegleiten.
00:27:09: In der nächsten Folge geht es dann eben um das Lese- und Schreibvokabular.
00:27:13: Was bedeutet musikalisches Lesen eigentlich?
00:27:15: Wenn es mehr sein soll als das Entziffern einzelner Noten?
00:27:21: Wir sind am Ende der Folge Also an dieser Stelle möchte ich auch noch mal Danke sagen.
00:27:25: Ich habe zu den letzten Folgen super viele schöne Kommentare von euch bekommen.
00:27:28: Vielen Dank!
00:27:29: Ich freue mich darüber riesig Und wenn du Gedanken zu dieser Folge hast, schreib super gerne einen Kommentar zur Folge auf deiner Lieblingsplattform.
00:27:36: Das hilft diesem Podcast bekannter zu werden und wenn du dem Podcast hilfreich findest empfehle ihn gern weiter an Kolleginnen und Kollegen denn damit unterstützt du nicht nur hier diese Arbeit mit diesem Podcast sondern du hilfst auch dabei dass wir gemeinsam die Qualität musikalischer Bildung hier weiter voranbringen und Kindern und Jugendlichen mehr Räume eröffnen ihr kreatives und ihrem musikalisches Potenzial zu entfalten.
00:27:59: Und in diesem Sinne, keep on singing und bis bald.
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