#043 - Muttersprache Musik (1): Das Hörvokabular
Shownotes
Warum musikalische Entwicklung mit dem Hören beginnt
In der ersten Folge der kleinen Reihe „Muttersprache Musik“ geht es um die erste Stufe musikalischer Entwicklung nach der Music Learning Theory von Edwin E. Gordon: den Aufbau eines Hörvokabulars. Warum beginnt musikalisches Lernen nicht mit dem Singen, dem Notenlesen oder dem Korrigieren einzelner Töne, sondern mit dem Hören? Ich spreche darüber, warum ein reiches Hörvokabular die Grundlage dafür ist, dass Kinder musikalische Zusammenhänge innerlich aufbauen und sich später sicher singend, musizierend und improvisierend ausdrücken können. Außerdem nehme ich dich mit in meine Probenpraxis und zeige, wie Hörzeit, Bewegung, Melodien ohne Text, Phrasenhören und der Whole-Part-Whole-Gedanke dazu beitragen können, musikalisches Lernen entwicklungsorientiert zu gestalten.
SHOWNOTES:
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Kooperationspartner: Sing-Akademie zu Berlin
Musik: Oli Bott
Dieser Podcast wurde realisiert mit Unterstützung der Stiftung am Grunewald
Transkript anzeigen
00:00:09: Herzlich willkommen zum Podcast Resonanz Junge Stimmen.
00:00:18: Inspiriert Kinder und Jugendkörer leiten!
00:00:21: Mein Name ist Gudrun Gierschall, ich bin Musikerin, Kinder- und Jugendkoleiterin und Mitarbeiterin beim Staats- und Romkorps an der Universität der Künste Berlin und ich begleite Koaliterinnen und Korleiter vom Methodenstress zu musikalischer Intelligenz, audiationsbasiert, bewegungszentriert und beziehungsstark.
00:00:39: Raus aus dem Alltagsstruck hinein in ein System das dich trägt.
00:00:43: Innere Ordnung, klare Schritte mehr Musik.
00:00:47: So wird dein Chord zum Resonanzraum für Wachstum, für deine Sängerin und für dich selbst!
00:01:02: Mit der heutigen Folge beginnt eine kleine Sommerreihe die ich mir schon ganz lange vorgenommen hatte Und zwar möchte ich in den nächsten Wochen mit dir zusammen Schritt-für-Schritt Die lernteoretischen Grundlagen der Music Learning Theory von Edwin Gordon anschauen.
00:01:18: Darüber habe ich ja auch schon in anderen Folgen immer wieder gesprochen aber Ich habe es noch nicht so ganz detailliert wirklich durchgearbeitet.
00:01:27: Und das möchte ich mir dieser kleinen Sommerreihe machen und zwar nicht als trockene Theorie, sondern eher mit der Frage was bedeutet dieses Wissen eigentlich ganz konkret für unsere Chorprobe mit Kindern und Jugendlichen?
00:01:41: Denn ich bin davon überzeugt je besser wir verstehen wie musikalisches Lernen funktioniert desto bewusster können wir unsere Probe danach auch gestalten und ausrichten Und desto eher schaffen wir Lernräume, in denen Kinder nicht nur Lieder einstudieren sondern wirklich ihre musikalischen Kompetenzen wachsen.
00:02:01: Heute beginnen wir ganz unten in der Lernpyramide bei der ersten und grundlegendsten Stufe nämlich dem Aufbau eines Hörvokabulars.
00:02:08: Jetzt wünsche ich dir ganz viel Spaß bei dieser Folge!
00:02:21: Ich möchte heute mit der Frage beginnen die wahrscheinlich viele Co-Leiterinnen aus ihrer eigenen Arbeit sehr gut kennen Die Frage, warum gelingt musikalisches Lernen?
00:02:30: Manchen Kindern scheinbar ganz mühelos während anderer sich trotz super vieler Wiederholung so schwer tun.
00:02:38: Wir kennen die Situation dass es ein Kind gibt das hört eine kleine Tonfolge und singt sie sofort ton sicher nach.
00:02:44: Und ein anderes kind kämpft super lange mit denselben Tönen und kann sich irgendwie nicht sicher nachsingen verrutscht immer wieder in der Tonhöhe.
00:02:54: Dann gibt es Kinder So ganz natürlich und selbstverständlich in den Puls von einem Lied reinfinden.
00:03:01: Und andere sind immer so voll daneben, neben dem Metrum und neben dem Puls.
00:03:07: Natürlich bringen Kinder unterschiedliche Voraussetzungen mit.
00:03:10: Darüber könnte man jetzt noch eine eigene Folge machen.
00:03:12: was ist eigentlich musikalische Begabung?
00:03:14: Was beeinflusst das Begablungspotenzial?
00:03:18: Und was ist dann mit der erworbenen musikalischen Leistung?
00:03:20: welchen Zusammenhang hat es mit dem angeborenen Begarbungspotenzial?
00:03:24: vielleicht?
00:03:25: Dazu gibt es auch ganz viele Forschung, aber darüber möchte ich jetzt heute gar nicht so intensiv sprechen.
00:03:31: Sondern heute interessiert mich eigentlich mehr die Frage welche Voraussetzung braucht musikalisches Lernen überhaupt damit sich gut entwickeln kann?
00:03:41: Denn vielleicht schauen wir in der musikpädagogischen Praxis einfach immer zu schnell auf das was wirklich am Ende so hörbar und sichtbar wird also die richtig gesungenen Töne, die rhythmische Sicherheit, vielleicht das Notenlesen der nächste Konzertauftritt.
00:03:57: Also so ein bisschen das Ergebnis, was wir dann abrufen und wirklich nach außen hin sehen können.
00:04:06: Und vielleicht fragen wir uns manchmal zu selten, welche musikalischen Erfahrungen müssen diesen Fähigkeiten eigentlich vorausgehen?
00:04:15: Und genau hier setzt die heutige Folge an!
00:04:29: Wenn wir jetzt musikalisches Lernen besser verstehen wollen, lohnt sich den ja alle Menschen durchlaufen haben im Bezug auf den Erwerb der Muttersprache.
00:04:42: Also wir wissen, kein Kind, kein Säugling beginnt mit einzelnen Buchstaben oder lernt erst mal Grammatikregeln.
00:04:49: Kein Kind beginnt damit ganze Sätze korrekt zu formulieren.
00:04:53: Ganz am Anfang als Grundlage von allem sprachlichen Lernen steht das Hören.
00:05:01: Kinder hören Sprache und zwar über Monate und über Jahre.
00:05:05: Sie hören verschiedene Stimmen, die Satzmelodien den Sprachrhythmus.
00:05:11: Da gibt es Pausen, da gibt es Betonungen Es gibt wiederkehrende Wörter Es gibt vertraute Redewendung und unvertraute Wörtern, die sie dann vielleicht das erste Mal hören.
00:05:24: Und sie hören Sprache in ganz unterschiedlichen Situationen In Alltagssituationen, in Beziehung zu anderen Menschen.
00:05:30: Es geht um Berührungen, es geht um Emotionen.
00:05:36: Dadurch wird Sprache lebendig und ein Teil unseres Daseins.
00:05:42: Und wir lernen Sprache erst mal ohne, dass uns jemand die Grammatik erklärt sondern es beginnt in unserem ganzen System das wir Muster wiedererkennen Das wir Wiederholung erkennen Dass wir Unterschiede erkennen Dass Wir Erwartungen bilden welches Wort als nächstes kommen wird.
00:06:00: und irgendwann entsteht aus diesem Erfahrungsschatz von Sprache den wir erst mal nur höhrend aufgenommen haben, die ersten Wörter.
00:06:10: Die ersten Silben.
00:06:12: Die erste Silbenkombination.
00:06:14: Kleine Satzbausteine.
00:06:15: Dann erst die vollständigen Sätze und wenn wir bereits sehr versiert in unserer Muttersprache sprechen, kommunizieren können eigene Sätze bilden.
00:06:28: dann erst lernen wir lesen und schreiben und dann erst die grammatikalischen Regeln das heißt der Sprach ist es total klar.
00:06:37: Das Schriftbild der Sprache steht natürlich nicht am Anfang, sondern das Verstehen und Dekodieren von Schrift baut auf dem reichen sprachlichen Erfahrungsschatz auf den wir in den ersten Lebensjahren entwickeln durften.
00:07:04: Und ganz ähnlich beschreibt Edwin Gordon das musikadische Lernen in seinen Forschungen – denn auch die musikalische Kompetenz entsteht nicht dadurch dass wir mit Symbolen beginnen, sondern sie entsteht stufenweise vom Hören zum Sprechen musikalischen Sprechen zum Lesen und Schreiben.
00:07:24: Und jede Stufe baut auf der vorherigen Auf- und jede Stufe bildet immer die Grundlage für die nächste.
00:07:31: In der Music Learning Theory können wir diese Entwicklung wie eine Lernpyramide betrachten, also die erste Stufe, die Basis der ganzen Pyramide.
00:07:39: Die breiteste Stufe ist das Hörvokabular.
00:07:42: Dann folgt das Sing- und Musikiervokabilar, und danach entwickelt sich ein musikalisches Denk- und Kommunikationsvokabular – also die Fähigkeit, musikalisch innerlich zu denken, zu reagieren, zu improvisieren und sich musikalischer auszudrücken.
00:07:58: Und erst danach kommt das Lesevokabolar und dann schließlich das Schreibvokapular.
00:08:04: Also zuerst hören, dann singen und musizieren dann musikalisch denken und kommunizieren, und dann lesen und schreiben.
00:08:13: Und theoretisches Verstehen!
00:08:16: Und das ist die Grundlogik, die ich in dieser kleinen Reihe mit dir Schritt für Schritt anschauen möchte.
00:08:21: und heute beginnen wir eben wie gesagt mit dem ersten, den breitesten Fundament der Fundamentstufe nämlich dem Hörvokabular.
00:08:42: Was genau meine ich jetzt mit Hör-Vokabula?
00:08:46: Also damit meine ich nicht einfach eine Sammlung von Liedern, die ein Kind irgendwann einmal gehört hat.
00:08:51: Ein Hörvokabular umfasst noch ein bisschen mehr also die musikalischen Strukturen, die Klangvorstellungen und die Regelmäßigkeiten, die einen Mensch durch Hören innerlich aufgebaut hat.
00:09:03: Also das worauf ein Kind später beim Singen, Musizieren improvisieren und Musik hören zurückgreifen kann dazu gehört zum Beispiel verschiedene Tonalitäten, verschiedene Metren Rhythmische Muster, melodische Wendungen, harmonische Zusammenhänge.
00:09:21: So was wie musikalische Formen, Klangfarben, stylistischen Besetzungen ausdrucksweisen.
00:09:27: Da ist der innere musikalischer Erfahrungsschatz eines Menschen.
00:09:33: oder vielleicht kann man es noch präziser formulieren dass ein Hörvokabular nicht einfach nur die Summe der Melodien ist, die ein Kind gehört hat sondern ein Hörvokabular ist vielmehr die Fähigkeit, musikalische Zusammenhänge innerlich zu organisieren und musikalischen Verläufe zunehmend vorauszuhören.
00:09:54: Also das ist glaube ich ein wichtiger kleiner Unterschied.
00:09:57: es geht natürlich erstmal darum viele verschiedene Musik zu hören aber es geht dann auch darum dass das Gehirn beginnt musikalischer Strukturen zu ordnen.
00:10:09: Ja, eigentlich automatisch wie bei Sprache auch fängt ein Kind an die Sündtags zu entschlüsseln für sich ohne das jetzt intellektuell beschreiben zu können.
00:10:23: und genau in dem Prozess geht es.
00:10:26: Es geht also so ein bisschen darum dass ein Kind erkennt, oh, das klingt vertraut!
00:10:32: Das klingt anders diese Melodie strebt irgendwo hin.
00:10:37: oder dieser Grundhund den Der Herr steht jetzt aus, der muss jetzt ergänzt werden.
00:10:42: Oder die Phrase hier ist irgendwie noch nicht zu Ende oder dieser Puls geht irgendwie weiter.
00:10:46: und ich erinnere mich als ich mit ganz kleinen Babys gearbeitet habe in den Eltern-Kind Gruppen das es mich so fasziniert hat dass ich eine Melodie in Frühgisch singe.
00:10:57: wahrscheinlich hatte das Kind bis dahin noch nie ne frügische Melodie gehört Und ein anderthalbjähriges Kind den Grund von infrügisch Ast reinreinsinkt weil er das voraus hört in dieser Melodie, dass da die Melodie hinstrebt.
00:11:13: Also ich finde das total faszinierend!
00:11:16: Dass es irgendwie so ein intuitives Begreifen von musikalischen Strukturen gibt, die relativ schnell erfasst werden können.
00:11:25: und genau daran liegt eben die Verbindung zur Audiation.
00:11:30: Und wenn du meinen Podcast jetzt schon länger hörst dann kennst du wahrscheinlich den Begriff Audiation schon?
00:11:35: Das ist ja der Kernbegriff, den Edwin Gordon definiert hat um zu beschreiben, um welche Fähigkeit es ihm geht und seine ganzen Forschungen kreisen.
00:11:46: Nämlich, um die Fähigkeiten zu audiieren und wie das gefördert und entwickelt werden kann.
00:11:52: Und ich versuche noch mal ganz kurz falls du die anderen Folgen nicht dazu gehört hast, das nochmal ganz schnell zusammenzufassen.
00:11:59: Audiation bedeutet eben nicht einfach nur zu hören sondern ist bedeutet dass Musik eine innere Bedeutung bekommt also dass wir musikalische Zusammenhänge erfassen, auch wenn der Klang äußerlich gerade nicht mehr zu hören ist.
00:12:15: Und zu differenzieren ist noch die Fähigkeit zu audiieren – es schon eine relativ komplexe Fähigkeit und bei jüngeren Kindern sprechen wir eher von der vorbereitenden Audiation also all das was passiert auf dem Weg hin zu einem bewussten Audien.
00:12:33: Das Hörvokabular ist eben ein ganz wichtige Vorbereitung für die Fähigkeit zu audieren.
00:12:40: Es schafft dem Boden dafür, dass Kinder später eben Musik innerlich hören musikalisch so ein taktisch verstehen erinnern vergleichen und voraus ahnen können darin improvisieren können komponieren können reproduzieren können.
00:12:54: also ein Kind das den fehlenden Grundton am Ende einer Melodie ergänzt erinnert sich nicht nur er beginnt musikalische schon etwas zu erwarten.
00:13:04: Ein Kind, das mit seinem Körper spürt, wann eine Phrase endet ist nicht nur am reagieren sondern es beginnt forminnerlich zu antizipieren.
00:13:13: Ein Kind dass einen Puls weiter empfinden kann.
00:13:16: körperlich auch wenn niemand das mehr laut klatscht oder das Lied weiter singt hat eine innerermetrische Vorstellung aufgebaut.
00:13:26: und genau solche Erfahrungen sind eben entscheidend denn Musikatisches Lernen beginnt nicht erst natürlich mit dem ersten selbstgesungenen Ton, sondern es beginnt schon ganz viel früher.
00:13:37: Und es beginn dort wo Kinder musikalische Strukturen höhrend aufnehmen, innerlich ordnen und allmählich diese Erwartung an ihren Verlauf entwickeln.
00:14:03: Ein entscheidendes Lernprinzip liegt allem musikatischen Lernen zugrunde oder vielleicht auch allem Lernen überhaupt?
00:14:09: Und zwar ist das das Lernen durch Vielfalt und Kontrast.
00:14:13: Denn ein Hörvokabular wächst nicht durch Eintönigkeit oder nicht in derselben Weise.
00:14:19: Es wächst durch Vielfalt und es wächst auch durch Kontraste.
00:14:23: Wir verstehen musikalische Phänomene eben nicht isoliert, sondern wir verstehen sie eigentlich erst so richtig wenn wir sie in Beziehung setzen können zu etwas was anders ist also wenn wir es mit etwas anderem vergleichen können.
00:14:34: Und es gibt verschiedene Studien die zeigen dass ein Kind sicherer und schneller lernt Ton sich ja zu singen, wenn es nicht nur Dur hört über Wochen und Monate sondern auch andere Tonalitäten vergleichend hören und Erfahrung da zusammen kann.
00:14:53: Und je vielfältiger die Hörerfahrung sind desto besser.
00:14:59: also wenn wir Dur-und-Moll haben ist das schon besser als wenn wir nur Dur haben.
00:15:04: reichhaltiger ist die musikalische Hörumgebung, wenn Kinder die Gelegenheit haben auch andere Tonalitäten z.B.
00:15:11: dorisch-frügelschmexolydisch unterschiedliche Skalen und unterschiedliche melodische Spannungen zu erfahren.
00:15:17: Und dasselbe gilt natürlich für Metren.
00:15:19: also wenn wir immer nur in zweier Metrum Erfahrungen dazu sammeln können dann ist das auch sehr einseitig und es hilft der Entwicklung der rhythmisch-metrischen Kompetenz wenn wir ganz unterschiedliche Metren auch erfahren dürfen also in zwei Jahren, drei Jahre aber vielleicht auch ein Fünfer oder ein Siebener Meter rum.
00:15:37: Dass wir dadurch noch mehr die Qualität von einem geraden Viervierteltakt erfahren können wenn wir vergleichend lernen dürfen und das lässt sich natürlich weiter fort für Klangfarben, musikalische Formen, für Stilistiken.
00:15:54: Wir verstehen erst was etwas ist durch das was es nicht ist.
00:15:58: Deshalb ist musikalische Vielfalt kein so nettes Nice to have, sondern etwas was wir immer in unsere musikpädagogische Arbeit mit integrieren sollten.
00:16:08: Denn wenn Kinder immer nur dieselbe Art von Lieder hören, immer im selben Tonraum sich bewegen, immer die in derselben Tonalität und dem ähnlichen Metrum sich bewegen dann bleibt eben ihr inneres musikalisches Bezugssystem einfach recht eng.
00:16:21: Und wenn sie aber die Gelegenheit haben vielfältige musikalisch Erfahrungen zu sammeln, dann entsteht Ein ganz reiches Netz innerer Vergleiche.
00:16:29: Und genau dieses Netz hilft Kindern später, bekanntes Video zu erkennen und unbekanntes besser in bereits bekannte Strukturen einzuordnen.
00:16:46: Ich glaube dass wir das Hören in der musikpädagogischen Praxis häufig unterschätzen und zwar nicht natürlich aus böser Absicht sondern weil das Hören eben so unsichtbar ist und passiv scheint.
00:17:00: Das Singen ist natürlich sichtbar und hörbar.
00:17:03: Ein Konzert ist sichtbar und hörbar.
00:17:06: Ein richtig gesungener Ton können wir sofort überprüfen, aber beim Zuhören wirkt es halt manchmal so als würde irgendwie nichts passieren, als würde das Kind nicht teilnehmen.
00:17:18: Aber das stimmt ja eben nicht denn beim Hören passiert ja unglaublich viel!
00:17:21: Das Kind vergleicht, es ordnet, es nimmt Spannungen wahr, es bildet Erwartungen und entwickelt eine innere musikalische Sprache.
00:17:30: Und trotzdem springen wir in der Praxis oft eben etwas zu schnell zum Output, weil natürlich wir möchten halt dass die Kinder sofort mitsingen.
00:17:39: Wir wollen das Programm irgendwie hörbar wird, dass wir sagen okay wir sind gut vorbereitet fürs nächste Konzert und dann kommen wir aber immer wieder so in die Situation, dass sie anfangen einzelne Töne zu korrigieren oder wir sagen ja jetzt müssen wir es nochmal machen und wieso singst du eigentlich nicht mit?
00:17:55: Mach doch einfach jetzt auch mal mit!
00:17:56: Und natürlich brauchen Kinder.
00:17:59: Wiederholung ist super wichtig.
00:18:01: Aber manchmal wiederholen wir eben den Output, obwohl eigentlich der Input gerade wachsen müsste.
00:18:08: Und deshalb ist so vielleicht für mich eine wichtige Gedanke für diese Folge dass wir häufig musikalische Fähigkeiten erwarten bevor wir die Voraussetzung dafür geschaffen haben das wir diese überhaupt erwarten können.
00:18:24: Wir wünschen uns zum Beispiel natürlich tonsicheres Singen.
00:18:27: Aber wir wünschen uns das manchmal bevor Kinder genügend Gelegenheit hatten, eine innere Klangvorstellung aufzubauen.
00:18:34: Oder wir wünschten uns seit einer rhythmischen Stabilität, bevor Kinder unterschiedliche Pulsebenen wirklich körperlich erfahren konnten und verschiedene körperlichen Erfahrungen zu musikalischen Abläufen sammeln durften.
00:18:49: Wir wollen dass sie schon Noten lesen können bevor Musik innerlich eigentlich eine Bedeutung für sie bekommen hat Also Musik im Sinne von Klangerfahrungen.
00:18:58: Und das ist eben ungefähr so, als wollten wir einem Kind das Lesen beibringen bevor es genug Sprache gehört gesprochen und kommunikativ verwendet hat.
00:19:08: Wir wissen auch dass sehr schwierig und problematisch ist wenn die Kinder mit zu schlechten Sprachkompetenzen eingeschult werden und dann lesen und schreiben lernen sollen.
00:19:19: aber in der Musik machen wir das ganz häufig genau so und wundern uns dann warum es sich irgendwie so mühsam anfühlt.
00:19:25: Und ich glaube, dass wir das Hören in der musikpädagogischen Praxis häufig unterschätzen.
00:19:30: Und zwar nicht natürlich aus blöder Absicht sondern weil das Horen eben so unsichtbar ist und passiv scheint.
00:19:40: Das Singen ist natürlich sichtbar und hörbar.
00:19:43: ein Konzert ist sichtbaer und hörber.
00:19:46: Ein richtig gesungen Ton können wir sofort überprüfen.
00:19:49: aber beim Zuhören wird es manchmal als würde irgendwie nichts passieren als würde das Kind nicht teilnehmen.
00:19:58: Aber das stimmt ja eben nicht, denn beim Hören passiert ja unglaublich viel!
00:20:01: Das Kind vergleicht es ordnet, es nimmt Spannungen wahr, es bildet Erwartungen und es entwickelt eine innere musikalische Sprache.
00:20:10: Und trotzdem springen wir in der Praxis oft etwas zu schnell zum Output.
00:20:16: weil natürlich wir möchten halt, dass die Kinder sofort mitsingen.
00:20:18: Wir wollen das Programm irgendwie hörbar wird, dass wir sagen okay, wir sind gut vorbereitet fürs nächste Konzert und dann kommen wir aber immer wieder so in die Situation, dass sie anfangen, einzelne Töne zu korrigieren.
00:20:30: oder wir sagen ja jetzt müssen wir es nochmal machen Und wieso singst du eigentlich nicht mit?
00:20:35: Mach doch einfach jetzt auch mal mit!
00:20:37: Natürlich brauchen Kinder Wiederholung, das ist ja super wichtig.
00:20:41: Aber manchmal wiederholen wir eben den Output obwohl eigentlich der Input gerade wachsen müsste.
00:20:49: Und deshalb ist so vielleicht für mich eine wichtige Gedanke für diese Folge, dass wir häufig musikalische Fähigkeiten erwarten bevor wir die Voraussetzung dafür geschaffen haben das wir diese überhaupt erwarten können.
00:21:05: Wir wünschen uns zum Beispiel natürlich tonsicheres Singen aber wir wünscht uns das manchmal vor Kinder genügend Gelegenheit hatten eine innere Klangvorstellung aufzubauen.
00:21:15: oder wir wünschen uns seit einer rhythmischen Stabilität, bevor Kinder unterschiedliche Pulsebenen wirklich körperlich erfahren konnten und verschiedene körperlichen Erfahrungen zu musikalischem Abläufen sammeln durften.
00:21:30: Wir wollen dass sie schon Noten lesen können, bevor Musik innerlich eigentlich eine Bedeutung für sie bekommen hat also Musik im Sinne von Klangerfahrungen Und das ist eben ungefähr so, als wollten wir einem Kind das Lesen beibringen bevor es genug Sprache gehört gesprochen und kommunikativ verwendet hat.
00:21:49: Wir wissen auch dass sehr schwierig und problematisch ist wenn die Kinder mit zu schlechten Sprachkompetenzen eingeschult werden und dann lesen und schreiben lernen sollen.
00:22:00: aber in der Musik machen wir das ganz häufig genauso und wundern uns dann warum es sich irgendwie so mühsam anfühlt.
00:22:18: Und was bedeutet das jetzt ganz konkret für meine Chorprobe?
00:22:23: Also, wie kann ich als Chorleiterin oder Chor-Leiter einen Hörvokabular aufbauen?
00:22:28: und ich möchte dich mit der Methodensammlung überschütten.
00:22:32: Und gleichzeitig möchte ich dich so ein bisschen inspirieren, dass du selber vielleicht anfängst, auf eigene Ideen zu kommen.
00:22:38: Dafür nehme ich dich einfach ein bisschen mit in eine Probensituation, wie ich sie mit den jüngeren Kindern vielleicht so hätte oder habe.
00:22:48: Lass uns mal sagen, wir sind in einer Kinderchorgruppe alter fünf bis sieben Jahre.
00:22:53: Das ist vielleicht ein ganz guter Startpunkt denn da sind viele Kinder so in diesem Übergang zwischen vorbereitende Audiation und Audiation.
00:23:02: Manche sind schon recht tonsicher andere sind noch bisschen im Suchen.
00:23:06: Mancher sind schon komplett kompetent sauber tonsich auch solistisch Lieder zu singen und andere suchen noch ein bisschen.
00:23:16: Da wird dann vielleicht ganz gut sichtbar, worum es geht.
00:23:18: Und vielleicht können wir ausgehen von da dann wiederum adaptieren.
00:23:22: was machen wir mit älteren Sängern und Sängeren die vielleicht in ihrer musikalischen Entwicklung genau so in der vorbereiten Audiation sind.
00:23:30: aber wir müssen's dann ein bisschen anders methodisch anpacken damit das eben altersgerecht verpackt ist.
00:23:35: Aber wie wir sagen jetzt mal hier meine erste Chorprobe im Schuljahr mit meinen fünf bis sieben jährigen Kindern fange ich total gerne an mit der Frage, was brauchen wir eigentlich um gut singen zu lernen?
00:23:50: Und dann kommen ganz unterschiedliche Antworten.
00:23:53: Den Mund den Hals die Stimme die Zunge Manche sagen auch vielleicht den Atem.
00:24:02: und Dann sage ich immer ja das stimmt alles ist alles super wichtig.
00:24:06: aber es gibt noch eine Sache Die mindestens genauso wichtig ist und zwar sind dass unsere Ohren.
00:24:11: denn Bevor wir jetzt gemeinsam schön singen können, müssen wir ja zuerst hören was wir singen wollen.
00:24:17: Welchen Ton?
00:24:19: Damit wir nicht alle irgendwo los singen.
00:24:21: und ich versuche dann immer so ein Ritual zu etablieren.
00:24:24: bei mir heißt es eben die Hörzeit und Ich versuche das hören total positiv zu besetzen und sagen dass das eine ganz tolle Aktivität ist Und dass es gar nicht so einfach ist so richtig gut zu hören zuzuhören.
00:24:40: Damit möchte ich Ihnen so ein bisschen vermitteln, dass es nicht nur um so einen Abwarten geht.
00:24:44: Dass die Melodie vorbeigeht oder dass ich irgendwie die Zeit abwarte sondern das ist eine aktive musikalische Tätigkeit ist bewusst zu hören und bei mir ist die Hörzeit wie so'n Eingangstor in die Chorprobe für die Jüngeren also nachdem man vielleicht kurz Begrüßung gemacht hat irgendwie Anwesenheit was auch immer alle irgendwie angekommen sind.
00:25:08: Ich mache's tatsächlich vor dem Einsamen dass ich erstmal möchte, dass sie mit ihren Ohren in diesem Raum ankommen und wir unseren Fokus auf die Musik lenken und sagen das ist jetzt das worum es in den nächsten fünfzig oder sechzig Minuten geht.
00:25:24: Und dafür lade ich Sie mal ein, dass Sie die Augen zumachen wenn sie sich trauen und vor allem mit ihrer Aufmerksamkeit bei sich ankommen.
00:25:35: Und das übe ich richtig ritualisiert und dann kann ich es aber irgendwann noch abrufen.
00:25:39: Wenn danach eine Melodie zyndorisch käme, würde ich vielleicht das Intro so machen.
00:25:55: Oder wenn ich danach ein Lied singen würde in Mixolydisch im Dreier-Metum, würde sich das vielleicht so machen... ...und dann singe ich bewusst in der Hörzeit Nur Lieder und Melodien ohne Text.
00:26:21: Denn Sprache ist das, was den Kindern am vertrautesten ist.
00:26:23: Und das heißt wenn ich mit Text singe wird sich das Gehirn der Kinder eher fokussieren auf die sprachliche Sonntags als auf die musikalische.
00:26:32: Und nun gerade in der Hörzeit will ich ja unbedingt die musikalische Sonntag anders verorten und abspeichern für die Und das heißt, ich versuche damit den Fokus zu richten auf wo ist der Grundton?
00:26:46: Welche Tonalität haben wir?
00:26:47: Welches Metrum?
00:26:49: Wie lang sind die Phrasen?
00:26:50: Was haben wir für eine Form, für einen musikalischen Spannungsverlauf.
00:26:54: Das thematisiere ich natürlich in der Altersgruppe nicht intellektuell aber ich mache dazu kleine Hörspiele.
00:27:03: Du kannst dir vielleicht erst mal merken wenn wir am Hörvokabular arbeiten wollen dann versuchen wir eben, dass der Text nicht die musikalische Syntax überdeckt sondern das wir den Fokus auf dem musikalischen Kontext legen.
00:27:18: Und jetzt habe ich mein Eingangsritual gehabt für meine Hörzeit und dann ist nur die Aufgabe für die Kinder nur zu hören am besten mit geschlossenen Augen.
00:27:28: Ich singe eine kurz wirklich überschaubare Melodie, die man so relativ schnell erfassen kann und die Kinder müssen nichts tun, sondern nur hören.
00:27:38: Ich lob die dann über den Kleon und sage, Mensch wie toll habt ihr gerade gehört.
00:27:42: Es war Wahnsinn!
00:27:43: Und man merkt eben mit der Zeit das sich die Qualität des Hirns verändert und dass es spürbar an der Energie dem Raum entsteht ob nur gewartet wird, dass es vorbeigeht oder wirklich wahrgenommen wird.
00:27:56: Dann kann man zum Beispiel einfach irgendwann den letzten Ton weglassen und irgendwann werden die Kinder diesen Grundton von sich aus ergänzen Und dazu können wir zum Beispiel eine kleine Körperbewegung machen und mit den Händen, mit dem Grundton wenn wir ihn dann ergänzend singen auf die Oberschenkel klopfen.
00:28:13: Dann sehe ich die Melodie noch einmal nachdem Sie sie einmal nur gehört haben und forder Sie eben auf dass Sie über die ganze Länge der Melodie einen Kreis mit dem Arm malen.
00:28:25: dafür sollte eben die Melodie nicht zu lang sein und Sie müssen aber schon voraus ahnen wie schnell sie die Bewegung ausführen, damit Sie erst am Ende den Kreis unten schließen.
00:28:37: Und das können Sie mit geschlossenen Augen machen oder mit offenen Augen wenn Sie noch die Orientierung brauchen.
00:28:42: und als drittes sing ich dieselbe Melodie noch einmal und sage jetzt machen wir die Hörzeit im Raum in Bewegungen.
00:28:49: Das heißt alle bewegen sich für die Länge der selben Melodie durch den Raum im freien Fluss.
00:28:57: eben bei mir zum Beispiel im Sitzkreis am Boden, ich habe da so Kissen liegen und da setzen die sich dann hin.
00:29:03: Dafür müssen sie wieder durch den Raum bewegen und die Länge der Melodie voraus ahnen Und um Sie in diesen freien Fluss zu bringen darüber hab' ich schon mal gesprochen Da beziehe ich mich auf Rudolf van Laban Der diese Bewegungsqualitäten entwickelt hat Die Gordon integriert hat an seine Lerntheorie Wo wir davon ausgehen dass es dem musikalischen Lernprozess sehr dienlich ist, wenn die Kinder sich immer wieder viel im freien Fluss zu musikalischen Ereignissen bewegen dürfen.
00:29:35: Und um das auch ein bisschen zu etablierend ritualisiert habe ich so dieses Bild irgendwann so gefunden für die Jüngeren vom kleinen Wassermann der im Mühlenweiher unter Wasser lebt.
00:29:45: und wir stellen uns vor unser Chorraumwehr dieser kleine Mühleweihe und wir sind der kleine Wassermannen und schwimmen durch den Chorraum und landen eben beim letzten Ton auf unserem Platz in diesem Kissen Und damit, das ist so ein bisschen unterstützen.
00:29:59: Dass wirklich der ganze Körper sich bewegt.
00:30:00: wenn wir unter Wasser wären dann würden wir eben auch so durchs Wasser gleiten und wir können verschiedene Levels einbinden.
00:30:07: Wir können mal weiter oben schwimmen in der Mitte und eher weiter unten.
00:30:11: Können uns auch immer im Boden rollen also was auch immer möglich ist und landen wieder beim letzten Ton auf dem Platz.
00:30:18: Das heißt ich habe keine feste Choreografie sondern eine Bewegungsqualität in die ich sie einlade einzusteigen.
00:30:26: Das ist jetzt zum Beispiel eine Möglichkeit, wie man sehr spielerisch mit den Jüngeren ein Hörzeitritual einbauen kann und dadurch Stück für Stück dieses höhere Patua immer wieder auch pflegt und erweitert.
00:30:40: Und darin ist auch ein wichtiges Grundprinzip verborgen was Gordon-Wichtig war in seiner Lerntheorie und auch mir sehr wichtig ist in meiner koppädagogischen Arbeit und zwar das Grundprincipt Hole Part Hole Also, dass wir immer wieder auch schauen können.
00:30:55: Wir einmal das Ganze erlebbar machen die ganze musikalische Gestalt dann einzelne Aspekte herausgreifen vertiefen bewusster bearbeiten um dann wieder zum großen Ganzen zurückzukehren am besten mit einem tieferen Verständnis als beim ersten Mal.
00:31:12: Das heißt, wir korrigieren nicht sofort einzelne Töne isolieren nicht erst mal gleich die erste Phrase oder sprechen erstmal so eine Textzeile vor und nach, sondern wir versuchen erst mal die ganze musikalische Gestalt erfahrbar zu machen.
00:31:27: Und dann ist es die einzelnen Bausteine rauszugreifen was auch immer das dann in dem jeweiligen Fall ist.
00:31:33: Vielleicht machen wir den Grundhorn erst einmal klar, machen einen Grundhornstoppspiel zählen die Phrasen bewegen uns zu Makrobeat und Mikrobiet vergleichen Phrase gehen in verschiedene Bewegungsqualitäten oder greifen wirklich ne Phraser aus sängerisch erarbeiten oder den Text, den wir einmal dann durchgehen.
00:31:53: Aber es hilft eben dieses Detail was wir bearbeiten in einen Kontext zu setzen wenn wir da vor das Ganze vorgestellt und erarbeitet haben und danach wieder dort irgendwie zurückkehren.
00:32:06: Und ich habe für mich so ein Weg gefunden mit den Jüngeren dass eine Melodie natürlich über mehrere Proben wiederkehrt Aber dass ich nicht jedes Mal das selbe mit der Melodie mache, sondern dass sie zum Beispiel beim ersten mal in der Hörzeit auftaucht dann vielleicht in der Bewegungszeit wiederkehrt.
00:32:27: Mit anderen Bewegungsaufgaben und dann in die Singenzeit rutscht und wird es dann wirklich sängerisch stimmbildnerisch erarbeiten den Text einstudieren, vielleicht choreografierte Bewegungen machen wenn das dazu passt oder was auch immer.
00:32:43: Und dadurch versuche ich eben einerseits Wiederholung anzubieten, was ja super wichtig ist fürs Lernen und gleichzeitig immer wieder einen neuen Hörfokus oder einen neuen Wahrnehmungserfahrungsfokus zu setzen.
00:32:58: Wenn ich jetzt zum Beispiel eine Melodie in die Bewegungszeit reinnehme – also bei mir heißt das Raumspiel – gebe ich dir jetzt auch noch ein paar Inspirationsideen mit, was man dann machen kann.
00:33:14: Um da gleichzeitig das Hörvokabular zu pflegen und zu erweitern.
00:33:20: Und zwar arbeite ich zum Beispiel gerne dass sich recht früh wirklich auch mit den fünf sechsjährigen das Wort Phrase erarbeite und sage eine Phrasis wie so einen musikalischer Satz wo wir Luft holen im Sprechen haben wir so verschiedene sprachliche Abstätte und genauso ist es eben in der Musik einen Lied vor und die sollen zum Beispiel mit mir gemeinsam zählen, wie viele Phrasen das Lied hat.
00:33:45: Und dann kann ich eben mit diesem Ordnungsprinzip supertoil weiterarbeiten und kann eben sagen also wie viele Phrasen gibt es?
00:33:54: Gibt es Phraßen, die gleich sind?
00:33:56: Wir können Phrazen auslassen nur im Kopf singen und andere laut.
00:33:59: wir können pro Phrase unterschiedliche Bewegungen bestimmen und uns dazu zum Beispiel unterschiedliche Körperteile bewegen oder unterschiedlich durch den Raum bewegen oder bei jeder Phrase die Richtung wechseln.
00:34:11: Oder sagen erste Phrases laufen, zweite stehen bleiben, dritte im Kreis drehen, vierte weiß ich nicht in die Luft springen also was doch immer uns dann so einfällt.
00:34:22: und dadurch können wir ganz toll musikalische Form auch gleichzeitig natürlich erarbeiten und Phrasenlängen körperlich erfahrbar machen.
00:34:31: das hat auch etwas mit Antizipieren zu tun dass man irgendwann so ein Gefühl hat ah so lange ist die Phrasung.
00:34:36: und zugleich können wir super an Atemführung arbeiten.
00:34:39: Denn ein Problem, was wir hier auch haben ist dass die jüngeren Kinder häufig zu viel atmen nach jedem dritten Ton Luft holen und wir wollen ja um in so eine sängerische Stimmgebung zu kommen einfach diesen gleichmäßigen Atemfluss immer wieder anregen.
00:34:56: Und wenn wir Begriff haben das ist eine Phrase deswegen auf einen Atem dafür gehen wir mal in eine Richtung Dann hilft es natürlich auch um das weiter bewusst zu machen.
00:35:11: Oder aber natürlich kennen wir im Raumspiel ganz toll an der rhythmischen, metrischen Struktur von unserem gerade zu bearbeitenden Hörvokabular arbeiten und zwar zum einen können wir erstmal über diesen freien Fluss gehen also diese freieren Bewegungsqualitäten anbieten und dafür helfen halt fantasievolle Bilder wie
00:35:32: z.B.,
00:35:33: Wir bewegen uns durch Wasser wie beim Wassermann oder wie ein Blatt, was im Wind herumgewirbelt wird.
00:35:39: Oder wir bewegen uns, wie durch Honig?
00:35:42: Wir sind in einem Eisblock eingesperrt und wollen uns daran fortbewegen.
00:35:47: Da gibt es bestimmt tausend Bilder, die dir auch einfallen.
00:35:52: Und da geht es immer wieder darum, dass wir versuchen den ganzen Körper in Bewegung zu bringen verschiedene Raum-Levels und verschiedene Bewegungsqualitäten einzubinden und dabei immer wieder auch verschiedene Qualitäten, sie in verschiedenen Qualitäten zu locken von frei fließend hin zur gebundenen Bewegung leichten schweren langsam schnellen Bewegungen damit sich hier auch kontrastierende Lernerfahrungen sammeln können.
00:36:18: Und darauf aufbauend können wir dann in metrisch gebundene Bewegung gehen also in Bewegung zum Grundpuls, zum Makrobiet Und auch da können wir tausend Varianten finden, wie man sich zum Makrobeat bewegen kann.
00:36:29: Es gibt nicht nur das, wenn die Hände klatschen... Das ist eher eine ganz so günstige Bewegung weil sie sehr isoliert ist sondern wo wir auch versuchen mehr in eine ganz körperliche Bewegung zu bringen.
00:36:40: genauso dann zu den kleineren Schlägen, zu den Mikrobietz und zur Unterteilung.
00:36:44: Wir können die Pulsebenen im nächsten Schritt übereinander legen und dazu.
00:36:48: weiterhin singen wir nur die Melodie und Sie bewegen sich dazu.
00:36:52: Das heißt Ihnen wird überhaupt nicht langweilig!
00:36:55: Ich weiß nicht, wievielten Male über die Wochen verteilt.
00:36:59: Je nachdem welche Aktivität wir dazu auswählen, sodass sie dann irgendwann schon komplett verinnerlicht ist.
00:37:05: und wenn mir sagen, jetzt wollen wir mal ein neues Lied lernen.
00:37:08: Dann sagen die Leute, die habe ich irgendwie schon einmal gehört.
00:37:11: Und das ist für mich auch so der Gradmasse.
00:37:13: Also wenn wir in die Einstudierung gehen und wenn das Nachsingen mühelos gelingt, relativ ... Vorbereitung wahrscheinlich eben gut und ausreichend.
00:37:28: Und wenn ich aber ständig einzelne Töne korrigieren muss, und ich mich dann vielleicht erstmal so frage, warum können die Kinder das jetzt irgendwie nicht?
00:37:37: Dann ist eigentlich die bessere Frage an mich.
00:37:41: Habe ich Ihnen wirklich genügend Gelegenheit gegeben diese Melodie erst mal höhrend zu durchdringen bevor Ich von ihnen erwarte dass sie die richtig nachsehen können.
00:37:51: Das heißt so ein Kernsatz kann vielleicht sein dass wir weniger den Am-Output korrigieren müssen, sondern mehr am Aufbau des inneren Höhrens arbeiten dürfen.
00:38:18: Und jetzt möchte ich nochmal kurz das Thema Aufbau der Servo-Cabulas einordnen und immer die Frage der Altersgruppe.
00:38:25: Also diese methodischen Ideen, die ich gerade vorgestellt habe sind jetzt so ein bisschen angepasst auf die Altersgruppe fünf bis sieben.
00:38:31: Die hab' ich mir jetzt mal rausgegriffen weil ich glaube da arbeiten viele auch mit diesen Themen.
00:38:40: Töne nicht sicher singen können.
00:38:41: und noch auch dieser spielerische Zugang, der natürlich total dankbar ist.
00:38:48: Wenn du jetzt zum Beispiel mit noch jüngeren Kindern arbeitest – also vielleicht musikalische Frühjahrziehung machst, Eltern-Kentgruppen, Elternkennzigen in Kitas arbeitestsst-, dann haben wir noch weniger gesprochene Sprache.
00:39:01: Noch mehr gehen wir einfach über die musikalischen Erfahrungen.
00:39:05: Dann würde man methodisch nochmal ein bisschen anders arbeiten Und trotzdem das Prinzip bleibt das gleiche.
00:39:11: Wenn du jetzt mit älteren Kindern arbeitest oder auch mit Jugendlichen, die vielleicht auch eigentlich in der vorbereitenden Audiation sind aber eben schon ich fünfzehn dann kannst du natürlich auch nicht mit dem kleinen Wassermann kommen ist ja klar.
00:39:26: da müssen wir also methodische Adaption finden und trotzdem für uns im Kopf haben dass auch diese Jugendlichen ihr Hörrepertor erweitern sollten und überlegen, wie können wir das für die ansprechend attraktiv gestalten.
00:39:55: Und lasst uns jetzt zum Schluss noch einmal zur Ausgangsfrage zurückkehren.
00:39:59: also warum gelingt musikalisches Lernen manchen Kindern scheinbar so mühelos während andere sich trotz ganz viel Übens so schwer tun?
00:40:07: Natürlich gibt es darauf nicht nur eine Antwort aber eine Antwort lautet schon auch vielleicht schauen wir manchmal zu schnell auf üben selbst und zu wenig auf die musikalischen Erfahrungen, die dem Üben von Liedern zum Beispiel jetzt in unserem Kontext vorausgehen.
00:40:24: Also vielleicht liegt die entscheidende Frage gar nicht daran wie wir Kinder besser korrigieren sondern darin wie wird die Lernumgebung so schaffen indem sie musikalische Strukturen so reichhaltig erfahren können dass vieles später beinahe selbstverständlich gelingt?
00:40:39: im schützten Falle Denn Kinder können nur das mit ihrer Singstimme ausdrücken was sie auch schon innerlich an Erfahrung musikalisch sammeln konnten.
00:40:49: Mit Hören, mit Vergleichen und wiedererkennen mit innerem Ordnen eben mit dem Aufbau eines reichen Hervokabulas Und dieses Hervocabula ist die Grundlage dafür dass Kinder musikalische Zusammenhänge erkennen können und sich später sicher singend musizierend vielleicht improvisierend ausdrücken können.
00:41:10: Also lasst uns doch in unseren Korb proben weniger immer darauf schauen was die Kinder schon können, sondern mehr darauf welche musikalischen Erfahrungen wir ihnen heute ermöglichen können.
00:41:35: Das war die erste Folge meiner kleinen Sommerreihe zu den lernteoretischen Grundlagen der Music Learning Theory von Edwin Elias Gordon Der übrigens in diesem Jahr hundert Jahre alt geworden wäre.
00:41:45: also wir haben sogar ein Jubiläum und Heute ging es um das Fundament Musikalischen Lernens Den Aufbau eines Hörvokabulars Und in den nächsten Folgen widmen wir uns dann den darauf folgenden Stufen in unserer Lernpyramide.
00:42:01: Wenn diese Folge für dich hilfreich war, freue ich mich sehr wenn du den Podcast unterstützt.
00:42:05: und das kannst du ganz einfach tun indem du dem Podcast mit fünf Sternen auf der Plattform deiner Wahl bewertest Ein kurzes Kommentar schreibst Diese Folge mit Freundinnen und Freunden Kolleginnen und Kollegen teilst die sich für dieses Thema vielleicht auch interessieren könnten Denn das hilft dem Podcast enorm weil die Podcastwelt ebenso aufgebaut ist.
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00:42:44: Und wenn du das tust unterstützt du damit nicht nur mich und diesen Podcast sondern auch das Thema was uns hier am Hinterherzen liegt, nämlich eine fundierte Beziehungsstarke und körperbasierte Kinder- und Jugendkohararbeit zu stärken in unserer musikpädagogischen Landschaft.
00:43:01: Danke dass du diesen Podcast hörst!
00:43:03: Und ich freue mich wenn du bei der nächsten Folge wieder dabei bist.
00:43:07: und bis dahin keep on singing und bis bald!
00:43:10: GUTRO.
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