#041 - Von der Bühne in die Welt - Verantwortung lernen im Chor

Shownotes

Wo lernen Kinder und Jugendliche heute noch, Teil eines größeren Ganzen zu sein – jenseits von Bewertung, Vergleich und reiner Einzelleistung? Chorarbeit kann so ein Erfahrungsraum sein.

In dieser Folge spreche ich über fünf konkrete Aspekte, die Kinder und Jugendliche im Chor für die Welt da draußen lernen können:

  • Wichtig sein – ohne im Mittelpunkt zu sein
  • Verantwortung übernehmen
  • Konflikte aushalten und Beziehung wiederherstellen
  • Generationenlernen: Ältere tragen Jüngere – und wachsen daran
  • Bühne als Verdichtung: sichtbar machen, was im Alltag gewachsen ist

SHOWNOTES:

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Kooperationspartner: Sing-Akademie zu Berlin

Musik: Oli Bott

Dieser Podcast wurde realisiert mit Unterstützung der Stiftung am Grunewald

Transkript anzeigen

00:00:15: Herzlich willkommen zum Podcast Resonanz Junge Stimmen.

00:00:18: Inspiriert Kinder und Jugendkörer leiten!

00:00:21: Mein Name ist Gudrun Gierschall, ich bin Musikerin, Kinder- und Jugendkoleiterin und Mitarbeiterin beim Staats- und Lohmkorps an der Universität der Künste Berlin und ich begleite Koaliterinnen und Korleiter vom Methodenstress zu musikalischer Intelligenz, audiationsbasiert, bewegungszentriert und beziehungsstark.

00:00:39: Raus aus dem Alltagsstruck hinein in ein System das dich trägt Innere Ordnung, klare Schritte mehr Musik.

00:00:47: So wird dein Chor zum Resonanzraum für Wachstum, für deine Sängerin und für dich selbst!

00:01:03: Von der Bühne in die Welt.

00:01:05: Chorarbeit als Schule der Verantwortung.

00:01:07: In dieser Folge geht es darum warum Chorarbeiten mehr ist als nur musikalisches Training.

00:01:13: Sie ist ein Übungsfeld für Verantwortung in der Gruppe Und ich zeige dir anhand von fünf konkreten Punkten was Kinder- und Jugendliche im Chor über Wirksamkeit Konflikte rollen und miteinander lernen.

00:01:24: Und warum genau das gesellschaftlich zählt?

00:01:28: Ich wünschte jetzt ganz viel Spaß bei dieser Folge!

00:02:02: Denn wir hatten nicht nur sechzig Sänger auf der Bühne, sondern hundertreißig Sänger.

00:02:09: Und unsere Altersspanne war auch noch mal viel größer.

00:02:11: die Männerstimmen waren junger.

00:02:13: Die Kinder mit denen wir gestartet haben waren jünger.

00:02:17: also diesmal hatten wir wirklich die Jüngsten waren glaube ich sieben, die dabei waren.

00:02:23: Wir hatten Jugendliche, die erst vierzehn waren, die gerade erst zum Stimmwechsel rausgekommen sind und unser älteste Männerstimme war glaube ich zweiundzwanzig in diesem Jahr.

00:02:34: Es war irgendwie ein Projekt, mit dem ich schon wieder lange schwanger gegangen bin und was mich wieder durch alle möglichen Höhen und Tiefen gebracht hat.

00:02:42: Und in der Vorbereitung hatte ich wieder so Momente, in denen ich wieder dachte, das ist einfach viel zu groß, was ich mir jetzt vorgenommen habe.

00:02:49: Das passt gar nicht zur Gruppe die ich gerade habe.

00:02:52: Ich hab das Projekt an der Gruppe vorbei konzipiert.

00:02:54: es ist irgendwie eine Nummer zu groß und das funktioniert alles sogar nicht.

00:03:00: Und gleichzeitig habe ich an diesem Projekt wieder so viel gelernt und ich bin ja irgendwie einerseits immer gleich so schnell am Zweifeln.

00:03:10: Und denke dann, oh das klappt alles gar nicht.

00:03:12: und andererseits jemand der dann irgendwie aber trotzdem mich locker lässt und irgendwie durchgeht weil ich immer finde wer nicht wagt der nicht gewinnt und aufgeben ist einfach irgendwie nicht die richtige Option für mich sondern ich versuche dann einfach anzupassen und irgendwie Wege zu finden, dass es doch möglich wird.

00:03:31: Und das ist für mich super anstrengend und andererseits darf ich dabei immer unglaublich viel lernen und ganz viel Neues erfahren.

00:03:40: Heute will ich aber eigentlich keinen so richtigen Projektbericht machen, sondern ich würde gerne mit dir zusammen ein bisschen was Grundsätzlicheres anschauen, was mir im Prozess mit diesem Projekt irgendwann mal mich nochmal richtig da beschäftigt hat.

00:03:58: Denn die Frage, die ich mir gestellt habe ist wo lernen eigentlich Kinder und Jugendliche heute noch Teil eines größeren Ganzen zu sein?

00:04:09: Denn ich hab gemerkt an diesem Thema habe ich mich unglaublich abgearbeitet und da gab es so viel einen großen Weg den die Kinder- und Jugendlichen auch zu gehen hatten damit so ein Projekt überhaupt gelingen kann.

00:04:24: Aber wenn wir uns jetzt so angucken, gesellschaftlich wie eigentlich Kinder heute groß werden, dann muss man sagen dass viele Lebenswelten einerseits durch die digitale Welt total offen geworden sind und divers.

00:04:39: Und gleichzeitig sind sie auch kleiner geworden denn vieles läuft so viel individueller ab und diese Orte in denen Gemeinschaft ganz natürlich Teil von Lebensweltern von Kindern war ist total reduziert.

00:04:54: Es gibt nicht mehr den Verein um die Ecke, die Dorfgemeinschaft in der Form wie das früher vielleicht der Fall war.

00:05:00: Familien sind kleiner geworden, individualisierte.

00:05:03: Die Tage von den Kindern sind total durchstrukturiert.

00:05:06: es gibt gar nicht mehr so viele Räume wo Gemeinschaften natürlicherweise soziales Leben prägen für Kinder in der form wie das Früher der fall war und schafft natürlich so ein Ort oder auch der Kindergarten, wo versucht wird Gemeinschaft zu leben.

00:05:28: Aber der Moment, wo es nur um das soziale Lernen geht den gibt's eben nur bis zum gewissen Grad denn in der Schule wird bewertet und verglichen.

00:05:38: Geht es um Leistung?

00:05:40: Und sie lernen nicht so stark, wo finde ich jetzt hier mein Platz in der Gruppe?

00:05:44: wie kann ich wichtig sein ohne im Mittelpunkt zu stehen und wie kann Ich zu etwas beitragen dass größer ist als ich selbst?

00:05:54: Projekt habe ich wieder gemerkt, wie viel Kraft hier die Chorarbeit entwickeln kann und wieviel Kraft das aber auch kostet diese Arbeit zu leisten.

00:06:04: Weil wir sie nicht mehr voraussetzen können wie vielleicht noch vor weiß ich nicht wie vielen Jahren.

00:06:09: Aber im Chor können eben die Kinder lernen nicht nur zu singen sondern auch Zu erfahren dass mein Verhalten folgen hat für andere Impositiven aber auch eben wie in negativen Sinne.

00:06:21: Und deshalb Möchte ich heute so eine kleine These aufstellen und sagen, Chorarbeit ist eine Schule der Verantwortung.

00:06:30: Und Verantwortung klingt ja auch ein bisschen groß, ein bisschen nach Erwachsenen sein, bisschen nach Politik, bisschen anstrengend vielleicht auch.

00:06:38: Aber ich glaube es ist trotzdem ein ganz wichtiger Teil damit Gemeinschaft gelingt, damit Gesellschaft gelingt.

00:06:45: Damit ein Miteinander gelingt!

00:06:51: Ich singe zur falschen Stelle richtig laut rein.

00:06:57: Das hat man nämlich auch im Konzert und dann haben es alle mitbekommen, dass ich es gerade nicht gecheckt habe oder eben auch wirklich zu erfahren das ist nicht egal ist ob ich zu spät komme zu einer Probe, dass es nicht egal is ob ich mitsinge oder ob ich nicht mitsänge denn jede Stimme ist im Chor wichtig und jede Persönlichkeit hat doch ihren Platz in der Gemeinschaft.

00:07:22: Kindern und Jugendlichen das zu vermitteln mit Worten, weil sie das doch nicht richtig verinnerlichen.

00:07:31: Aber in dem gemeinsamen Singen gibt es eine Ebene die man nicht mehr gut den Worte fassen kann, die ist aber irgendwie erfahrbar machen.

00:07:38: Weil es etwas Körperliches ist, weil es etwas ist was auf emotionaler Ebene eine neue Erfahrung gibt Und dadurch doch irgendwie soziales Lernen stattfinden lässt jenseits von sprachlichem Input, den wir die ganze Zeit geben und sagen wie sie sich zu verhalten haben.

00:08:00: Aber es scheinbar nicht so richtig bei ihnen ankommt.

00:08:04: und ich habe das Gefühl über so ein Projekt entsteht etwas was wir da vor mit viel erklären und immer wieder erinnern nicht geschafft haben.

00:08:15: Und deswegen glaube ich dass Chorarbeit soziale Bildung ist in klingender Form.

00:08:34: Und was genau meine ich damit?

00:08:36: Also erstens lernen Kinder im Chor.

00:08:41: Ich bin wichtig, aber ich bin nicht der Mittelpunkt.

00:08:46: Denn im Chord zählt jede Stimme und gleichzeitig kann man nichts zu tun als gäbe es die anderen irgendwie nicht.

00:08:54: Das, was Kinder hier lernen dürfen und auch müssen ist irgendwie doch selten geworden in der Form nämlich sie dürfen hörbar sein, sie sollen hörbar seien Sie dürfen ihren Platz einnehmen Aber ich muss trotzdem noch die anderen hören und die anderen wahrnehmen.

00:09:11: Und auf der Bühne zeigt es sich dann eben, kann nicht präsent sein ohne mich vorzudrängen?

00:09:17: Und kann ich mich einfügen in das große Ganze ohne komplett zu verschwinden?

00:09:23: Deswegen glaube ich dass der Chor uns leeren kann sichtbar zu werden und trotzdem Teil eines Ganzen zu bleiben.

00:09:41: Punkt zwei klingt auch so ein bisschen abgenudelt aber ist wirklich so entscheidend.

00:09:45: Kann ich irgendwie Verantwortung übernehmen für mein Verhalten und für meine Dinge, die mich betreffen.

00:09:51: Und ich weiß dass das ein schwieriger und langer Prozess ist und dass es auch nicht ein achtjähriges Kind in der Form machen kann wie man das von dem Erwachsenen erwartet.

00:10:00: Und trotzdem glaube ich, dass wir uns trauen müssen das auch einzufordern und anzuleiten!

00:10:07: Ich gebe jetzt ein konkretes Beispiel zum Beispiel in der Vorbereitung auf unsere Chorfahrt für dieses Projekt.

00:10:13: Wir hatten Kinder dabei, die waren noch nicht mal auf Klassenfahrt.

00:10:16: Und wir hatten so eine große Gruppe mit auf der Probenfahrt wie noch nie zuvor zumindest in meiner Zeit nicht.

00:10:23: Wir sind mit achtzig Kindern und Jugendlichen gefahren zwischen acht und zwanzig Jahren.

00:10:29: Die Altersspannung war riesig, die Gruppe war riesige und wir sind fünf Tage weggefahren was auch für uns für unseren Kontext eine sehr lange Proben Fahrt war weil wir wollten ganz viel Raum schaffen für Gruppenstärken, das Lernen und gemeinsame Aktivitäten.

00:10:49: Und soziales Miteinander weil wir das Gefühl hatten dass braucht diese Gruppe gerade besonders weil es ihr gerade schwer fällt.

00:10:55: aber als er so näher rückte haben wir irgendwie ein bisschen Wuffenshausen gekriegt und dachten so oh mann was haben wir uns denn da vorgenommen?

00:11:02: Dann habe ich mir tatsächlich viel Gedanken gemacht in der Vorbereitung wie ich jetzt grade den jüngeren also den acht bis zehnjährigen die jetzt das erste Mal auf Koffer fahren, wie ich die am besten vorbereite.

00:11:16: Damit sie wissen was sie da erwartet und auch wissen was wir von ihnen erwarten damit dass Ganze gelingen kann.

00:11:23: Und es wirkt jetzt auch vielleicht ein bisschen banal aber Es war unglaublich entscheidend damit diese Probenfahrt gelingen konnte.

00:11:31: Ich habe mich nur eine Packliste herum geschickt sondern ich hab die Eltern gepreift und ich habe die Kinder gebrieft und gesagt ein paar Dinge zuhause üben als Vorbereitung auf die Proben Fahrt.

00:11:40: und zwar heißt das Übt zu Hause, dass ihr euer Bett selbst beziehen könnt.

00:11:44: Denn wir können nicht rumgehen und am Ende vierzig Knabenbetten beziehen.

00:11:50: Lernt euren Koffer selbst zu packen?

00:11:53: Packt die nur so voll das ihr ertragen könnt!

00:11:56: Habt eine eigene arme Uhr denn Handys sind bei uns verboten.

00:12:00: Das heißt ihr braucht eine Uhr auf die ihr schauen könnt oder lesen könnt.

00:12:05: Und übt, dass Ihr zur verabredeten Zeit zu festen Zeiten selbstständig pünktlich erscheint Denn das braucht ihr auf der Probenfahrt, niemand rennt rum und erinnert euch wann die Probe losgeht.

00:12:15: Ihr müsst selber auf den Plan gucken und dann die Uhr im Blick behalten und pünktlich auf eurem Platz mit euren Noten sitzen.

00:12:22: Und ich kann euch sagen dass für viele Kinder glaube ich eine neue Erfahrung war Dass sie das können müssen.

00:12:35: und Sie haben es geschafft weil die Eltern auch unterstützt haben, weil ich das auch vorbereitet habe mit ihnen und ganz genau besprochen habe und gesagt hat es ist entscheidend wichtig.

00:12:45: Das ist eure

00:12:46: Verantwortung.".

00:12:47: Und ich glaube, dass war für diese Kinder ein ganz wichtiger Entwicklungsschritt.

00:12:53: und dann zu sehen aber auch, dass sie dann irgendwie auch gemerkt haben, dass Sie jetzt schon mit den Großen zusammenproben können und was Sie Jugendlichen mit Ihnen zusammenproben und dass Sie mit denen aber pünktlich auf Ihrem Platz sitzen müssen?

00:13:07: Und deswegen glaube ich, dass Selbstorganisation nicht nur Privatsache ist sondern das sie auch eine Gemeinschaftskompetenz ist.

00:13:13: Die wir einfordern und anleiten müssen.

00:13:24: Drittens es gibt so ein Missverständnis und da nehme ich mich mit rein Wir hätten so gerne einer harmonische konfliktfreie Welt aber Ich glaube Es gibt keine Weiterentwicklung ohne Konflikte und es gibt auch gar kein Leben ohne Konfikte.

00:13:41: Und deswegen heißt gelingende Gemeinschaft auch nicht, dass es keine Konflikte mehr gibt sondern das die Frage ist ob wir mit Konfligten umgehen können ohne zu beschämen, ohne auszugrenzen und irgendwie trotzdem miteinander klarzukommen – auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind!

00:14:02: Ich habe festgestellt in meiner Probenarbeit in Berlin, dass es viele Kinder gibt die sehr oft den Konflikte geraten und die sie einfach auch gar nicht mehr lösen können.

00:14:11: Also Sie geraten so aneinander, dass man nicht mehr weiß neben welches Kind man sie setzen kann weil entweder geraten sie einen Konflikt oder werden dann ein Konflekt verwickelt.

00:14:22: Und das hat mich manchmal so ratlos gemacht weil ich dachte Das kann doch wohl nicht wahr sein dass ihr nicht mal mehr schafft, nebeneinander in der Chorprobe zu sitzen und sechzig Minuten durchzuhalten.

00:14:33: Ohne das es eskaliert und man sagt jetzt muss ich einen neuen Platz für dich finden!

00:14:37: Und auf der Probenfahrt habe ich umso mehr es zu schätzen gewusst... ...dass es da natürlich Konflikte gibt weil die haben die Zimmer geteilt, die haben kaum Rückzugsort gehabt.

00:14:47: Das war anstrengend.

00:14:47: Die haben viel geprobt wir haben viele Aktivitäten gemacht die waren wandern und dann natürlich gibt es Streit mal zwischen Kindern und Konflikte.

00:14:58: Und trotzdem haben uns alle geschafft, sich immer wieder zu vertragen oder die Konflikte miteinander zu lösen oft alleine manchmal mit Hilfe von den Männerstimmen, manchmal mithilfe von uns Betreuerinnen und Betreuern aber es gab kein Zimmer.

00:15:12: was wirklich eskaliert ist wo wir gesagt haben das geht so gar nicht mehr Wir müssen jetzt irgendwie neue Zimmerverteilung finden sondern alles ließe ich irgendwie im Gespräch miteinander klären.

00:15:23: Und ich glaube, Demokratie braucht Menschen die Konflikte aushalten können ohne sofort auszusteigen oder zerstörerisch zu werden.

00:15:32: Und deshalb glaube ich dass Konflikte kein Scheitern von Gemeinschaft sind sondern das sie auch der Motor sind an dem Gemeinschafter lernt.

00:15:54: und mein Punkt vier ist ein Plädoyer für Begegnungen von verschiedenen Altersgruppen denn Ich glaube dass viele Kinder heute sehr stark in altershomogenen Gruppen leben.

00:16:08: In den Schulklassen, in den verschiedenen Freizeitaktivitäten – alles ist natürlich auch aus vielen guten Gründen immer altershumogen strukturiert.

00:16:20: und ich habe aber in diesem Projekt dann auf dieser Chorfahrt wieder festgestellt wie wertvoll es ist wenn sich mehrere Generationen von Heranwachsenden, also Kinder und Jugendliche begegnen.

00:16:34: Und gemeinsam miteinander in einem Projekt verbunden sind.

00:16:38: Denn dann entstehen auch Vorbilder weil natürlich ist das was anderes wenn immer die Erwachsenen den Kindern irgendwie sagen wie sie sich zu verhalten haben oder wenn der Jugendliche irgendwas auch verkörpern wo sie sagen oh das ist cool das will ich auch.

00:16:50: so würde ich auch mal sein.

00:16:51: oder Die leben irgendetwas vor oder die fordern mal etwas ein von den Kindern was dann für die eine andere Glaubwürdigkeit hat und anziehender ist, als wenn es immer die Erwachsenen sagen.

00:17:03: Und auch für die Jugendlichen sind unglaublich gewachsen in diesem Projekt und auf dieser Fahrt, weil sie so viel Verantwortung übernommen haben für die Jüngeren – obwohl Sie ja selber natürlich auch mit fourteen, fünfzehn, sechzehnt noch nicht fertig gebackene Persönlichkeiten sind sondern auch im Werden und Suchen sind– und gleichzeitig haben Sie erfahren wie wichtig Sie sind in Ihrer Rolle und wie viele Vorbildcharakter sie auch haben für die Jüngeren.

00:17:32: Und auf unserer Korf hat, da haben wir immer dieses Leuchtturm-Prinzip also eine Männerstimme.

00:17:38: das heißt Männerstimme heißt bei uns, die sind dann, vierzehn, fünfzehnt, sechzehnten, siebzehn fungiert als Leuchthurm in einem Knabenzimmer als so einer Art Bezugspunkt.

00:17:49: Also jedes Knaben Zimmer hat ein Leuchhturm.

00:17:53: von den Jugendlichen sollen sich eben so ein bisschen verantwortlich fühlen für ihr Zimmer.

00:17:59: Die gucken dann eben auch mal, gibt es jemanden der nicht sein Bett beziehen kann?

00:18:02: Und wenn Schlafenzeit ist, schauen die einmal nach dem Rechten und erinnern, dass sie ins Bett gehen sollen.

00:18:07: Und die übernehmen jetzt keine vollwertige Betreueraufgabe und trotzdem übernehmen Sie eine Stück Verantwortung.

00:18:14: So je nachdem wie gut sie's eben können.

00:18:18: Natürlich sind sie dann auch mal jemand, der angesprochen wird, wenn jemand Sorgen hat.

00:18:24: Sie helfen kleine Konflikte auch aufzufangen und den Kindern ein bisschen Orientierung zu geben.

00:18:29: Und da gab es eben so einen berührenden Moment am letzten Abend, hatten wir Lagerfeuer- und Stockbrot bei der Probenfahrt – alle haben gemeinsam gesungen und gesessen und gequatscht!

00:18:41: Die Knaben mussten dann irgendwann ins Haus und sich bätfertig machen und die Männerstimmen sind noch draußen geblieben Und ohne dass wir es gesagt hatten, sind die tatsächlich um... ... um nach ihren Zimmern zu gucken.

00:18:58: Weil sie wussten das ein-zwanzigundreißig für die knappen Zimmer am letzten Abend Bettruhe war.

00:19:03: und das hat uns so bewegt und berührt, dass Sie diese Verantwortung so selbstverständlich genommen haben denn Wir hätten es total verstanden wenn ihr einfach draußen geblieben wären und wir hätten es an dem Abend einfach alleine gemacht.

00:19:15: und da hat man gemerkt wie viel das auch mit den Älteren macht, wenn sie gebraucht werden als verantwortungsvolle Personen in dem Großen Ganzen.

00:19:27: Und wir haben immer wieder Jugendliche die unglaublich besondere pädagogische und soziale Talente entwickeln und für die Gruppe so wichtig werden.

00:19:38: von denen wird es überhaupt nicht gedacht hätten, als wir die als Knaben durch unsere Systeme so begleitet haben.

00:19:44: Wo die vielleicht eher ... Die waren wo wir dachten oh je, die sind in jeder Gruppe irgendwie immer eine Herausforderung.

00:19:51: Manchmal genau die werden nachher die Stützen der ganzen Gemeinschaft und das macht mir immer wieder so Mut und Hoffnung und gibt mir irgendwie das Vertrauen dass wir nicht aufgeben dürfen und immer beschenkt werden können im Momenten wo wir es gar nicht mehr denken.

00:20:23: Mein Punkt fünf ist, da wo dann alles hinmündet nämlich auf die Bühne.

00:20:29: Da wird dann sichtbar was im Alltag eigentlich gewachsen ist.

00:20:32: und ich glaube wir brauchen auch diese Ziele die dann diese unglaubliche Energie mobilisieren dass man auf etwas gemeinsam hinarbeitet und dann zusammen auf der bühne steht.

00:20:46: und viele gerade die jüngeren verstehen es halt auch erst dann worum's eigentlich geht.

00:20:51: das habe ich halt auch wieder gemerkt.

00:20:52: Man denkt immer, man möchte es so gut vorbereiten und pädagogisch anleiten.

00:20:57: Und die checken's einfach nicht!

00:20:59: Und dann stehen sie auf der Bühne und eigentlich erst nach dem Konzert verstehen Sie was sie da eigentlich geschafft haben.

00:21:05: Und warum?

00:21:05: Der ganze Weg sich gelohnt hat.

00:21:08: Das kann man manchmal einfach nicht erklären.

00:21:11: Aber dann spüren Sie dass sie ein Teil von etwas größerem sind.

00:21:15: Diese Erfahrung möchte ich das jeder macht, der in meinem Chor singt.

00:21:21: Programme, die es mal in unserem ganz großen Konzertzeit aufgeführt.

00:21:25: Da passen über siebenhundert Leute rein und wir hatten ein öffentliches Konzärt für älterne bekannte Freunde und zwei Schulaufführungen für insgesamt tausend Zweihundert Grundschülerinnen und Grundstühle aus Berlin.

00:21:38: Und das war auch nochmal eine ganz interessante und bewegende Erfahrung in diesem Raum dieses eigentlich schon sehr komplexe anspruchsvolle Programm zu singen für Grundschüterinnen und Grundschüler, die so was wahrscheinlich viele noch nie gehört haben.

00:21:55: Die vielleicht noch nie Barockmusik gehört haben, gewohnt sind wenn sie irgendwo in Theaterstück gehen das dann irgendeine lustige Geschichte erzählt wird?

00:22:05: Und wir hatten einen assoziativen Raum aufgemacht.

00:22:10: ich habe es in der Konzerteinführung ein bisschen erklärt.

00:22:12: gesagt ist jetzt irgendwie kein normales Theaterstuck Es ist kein normalen Konzert es ist ein bisschen wie ein Wimmelbild Aber in Klängen, das heißt ihr könnt nicht mit euren Augen ganz viel entdecken sondern mit eurer Ohren.

00:22:24: Und dann gibt es ganz viel Überraschendes und irgendwas womit ihr nicht gerechnet habt oder irgendetwas was euch vielleicht zum Sponsorenantrag etwas lustig ist wie das auf so einem Wimmbild eben ist.

00:22:36: Das war doch irgendwie eine anspruchsvolle Höraufgabe auch fürs Publikum.

00:22:43: Ich fand es so berührend zu sehen was im Raum für ne Energie entsteht auf der Bühne, weil die merken okay krass wir haben hier wirklich was geschafft und erschaffen.

00:22:55: Und stehen hier auf der bühne und können damit andere Kinder berühren.

00:23:04: Im Publikum eben auch dass es am Ende wirklich diesen Moment gab wo alle mitgesungen haben, alle mitgetanzt haben und im großen Konzertraum eine große singende Gemeinschaft entsteht zwischen denen die zuhören eigentlich und denen die auf der Bühne stehen Und damit können Sie Ihre Erfahrungen von der Bühne in die Welt mitnehmen.

00:23:26: Denn Sie erfahren, dass das was sie gemeinsam erschaffen, Bedeutung für andere haben kann!

00:24:09: vor allem nicht, wenn so viel über Bewertung und Vergleich und über kognitives Lernen organisiert ist.

00:24:14: Und ich bin fest davon überzeugt dass wir mehr Bildungsorte brauchen in denen Kinder nicht nur zeigen was sie können sondern auch erleben was sie in Beziehung zu anderen sein können und gemeinsam erschaffen können.

00:24:25: Und zwar auf anderen Ebenen als nur auf der intellektuellen Verstandesebene.

00:24:33: Ich finde KOR kann eben genauso ein Ort sein weil er so viele Dinge miteinander verbindet, Körper, Stimme, Emotionen, Denken und Beziehungen.

00:24:41: Er trainiert Aufmerksamkeit und er verbindet die individuelle Entwicklung mit der gemeinsamen Verantwortung.

00:24:47: Und für mich ist das auch politisch Denn im besten Sinne wenn wir gesellschaftliche Verantwortung wollen müssen junge Menschen Verantwortung vorher auch irgendwie erleben können und zwar früh und auch konkret und in Gruppen und in Räumen in denen ihr Handeln wirklich zählt und nicht nur ein Arbeitsblatt was sie durchgearbeitet haben.

00:25:05: Und gesellschaftliche Verantwortung entsteht eben nicht durch Appelle, sondern sie entsteht durch Erfahrungsräume.

00:25:12: Die müssen wir gestalten und die müssen wir überhaupt erst öffnen und anbieten.

00:25:30: Ich habe in diesem Projekt mal wieder unglaublich viel gezweifelt Ob ich die richtige Gruppe für das Projekt habe?

00:25:37: Ob ich das richtige Projekt für diese Gruppe habe?

00:25:40: ob ich vielleicht mir wieder zuviel vorgenommen hab?

00:25:43: Ob das Konzept überhaupt funktioniert?

00:25:47: gab es eben doch immer wieder diese Momente, die mir gezeigt haben das es doch Sinn macht und dass es doch funktioniert.

00:25:54: Und dass es all die Mühe und all den Weg gelohnt hat.

00:25:59: Das wäre so viel leichter wenn wir schon vorher genau wüssten, dass alles gut funktioniert.

00:26:04: aber das ist vielleicht Teil dieser Arbeit, dass wir die Wirken unserer Arbeit erst rückblickend manchmal wirklich verstehen können.

00:26:13: Ich habe für dieses Projekt ein Lied was in der Türkei sehr bekannt ist übersetzt frei für unser Programm und es war unsere Mitzinglied am Ende vom Konzert.

00:26:24: Und das ist eigentlich ein schönes Motto für das, was ich auch mit dieser Folge erzählen will.

00:26:29: der Text von diesem Lied in unserer deutschen Fassung heißt dort fliegt ein kleines Vöglein weit von hier.

00:26:36: dieses Vöglein ist dann Teil von mir.

00:26:39: Auch wenn wir es nicht fangen können bleibt sein Gesang ein Lied von dir.

00:26:44: Dort klingert eine Stimme weit von hier, diese Stimme ist ein Teil von mir.

00:26:50: Auch wenn wir sie nicht hören können, spricht diese Stimmer auch zu dir.

00:26:55: Dort gibt es einen Weg weit von here.

00:26:58: Dieser Weg der ist ein Teil von mir – auch wenn wir ihn nichts sehen können für dieser Weg zu dir und

00:27:04: mir.".

00:27:08: Und für mich bündelt das ein bisschen den Kern, denn nicht alles was verbindet ist sofort sichtbar.

00:27:13: Nicht jede Wirkung zeigt sich gleich.

00:27:15: Aber im Chor können die Kinder trotzdem erfahren, dass meine Stimme zu etwas dazugehört und das was wir gemeinsam tun weiter klingt über diesen Raum hinaus.

00:27:27: Denn ein Chor ist mehr als eine Gruppe, die einfach nur zusammen sinkt.

00:27:31: Er isst einen Ort an dem Kinder üben können wie Gesellschaft klingen könnte.

00:27:50: Und was kannst du jetzt aus dieser Folge für dich mitnehmen?

00:27:54: Ich möchte dich vielleicht auch ermutigen und bestärken in dem was du tust Wenn du mit Kinder und Jugendlichen zusammen singst, dass du noch viel mehr leistest für diese Welt als nur das Du versuchst den ein paar richtige Töne beizubringen.

00:28:09: Dass gemeinsam singen bedeutet, dass Du Kindern und Jugendliche eine Erfahrung von Gemeinschaft geben kannst.

00:28:20: Dass Du Kinder-und Jugendlichen Erfahrungen vermitteln kannst was es bedeutet Selbstverantwortung zu übernehmen Was es bedeutet sichtbar zu werden Und trotzdem Teil eines Ganzen zu bleiben.

00:28:32: Du kannst ihnen vermitteln, dass Selbstorganisation ein Teil von Gemeinschaftskompetenz ist und das Gemeinshaft auch heißt Konflikte auszuhalten und Konflkte auszuagieren.

00:28:47: Vielleicht findest du in deinem Arbeitskontext Möglichkeiten wie du verschiedene Altersgruppen miteinander in Verbindung bringen kannst, die was zusammen schaffen dürfen und sich begegnen können?

00:29:00: Und ich werde total gespannt zu hören, was du dabei für Erfahrung machst.

00:29:05: Und egal wie unperfekt es ist, versuche Ziele zu schaffen dass die Gruppe so Erfahrungen sammelt eben auf der Bühne gemeinsam stehen und anderen auch zu zeigen was sie erarbeitet haben Denn daraus entsteht auch wieder ganz viel innere Kraft!

00:29:25: Wenn Du Lust auf Austausch hast zu diesem Thema Gruppenkompetenz stärken, ich und wir im Chor.

00:29:32: Dann springen noch mit rein in unseren Expert-Call.

00:29:36: der ist am Donnerstag dem dreißigsten April um neunzehn Uhr.

00:29:39: also wenn du heute beim herauskommen der Folge die Folge anhörst dann ist es genau heute zusammen mit Eva Spät und wir sprechen gemeinsam mit dir und mit anderen aus der Community über dieses Thema Und ich freue mich ganz doll wenn du dabei bist.

00:29:53: den Link findest du den Show notes und jetzt würde ich sagen keep on singing und bis bald Godrun.

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